Wie funktionieren Lawinenrucksäcke: Überblick aller Airbag Systeme

Freeriding und Skitouren gehen wird immer beliebter – und auch die Sport Marken haben schon festgestellt, dass mehr Sicherheitsausrüstung nötig ist, um die Freiheit des Geländes und der Berge sicher genießen zu können. Dadurch ist auch der Lawinenrucksack neben LVS-Gerät, Schaufel und Sonde, mittlerweile ein fester Bestandteil der Lawinenausrüstung. Und dank der hohen Nachfrage wird der Rucksack nicht mehr als Luxusprodukt gesehen, sondern wird von Jahr zu Jahr günstiger! Wenn Du noch keinen besitzt, wieso solltest Du Dir einen kaufen? Was sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Herstellern und ihren unterschiedlichen Systemen? Welcher Lawinenrucksack passt am besten zu Dir? Lies unseren Lawinenrucksack-Guide um Dir einen Überblick zum Thema zu verschaffen und die Unterschiede zwischen den Herstellern zu erfahren.

 

  • Wie mir der Lawinenairbag helfen kann: Der Paranuss Effekt
  • Lawinenairbagsysteme erklärt: Wo liegen die Unterschiede?
    • Arva REACTOR Lawinen Airbag System
    • BCA Float System
    • Pieps und das Jetforce System
    • ABS Lawinenrucksack
    • Mammut P.A.S. & R.A.S.
    • Ortovox AVABAG
    • Scott Alpride Lawinen Airbag System
  • Unsere Auswahl an Lawinenrucksäcken
  • Wartung des Lawinenrucksackes
  • Reisen mit dem Lawinenrucksack

 

 

Wie mir der Lawinenairbag helfen kann: Der Paranuss Effekt


Es gibt viele Statistiken, die zeigen, dass der Lawinenairbag bei Lawinenunfällen hilfreich ist. Die Arbeit des Lawinenrucksackes lässt sich mit dem sogenannten Paranuss Effekt erklären: Er kreiert eine leichte, große Masse die sich an deinem Körper befindet und Dir hilft, durch kleinere, schwere Partikel aufzutreiben. 

ABER! Lawinenrucksäcke sind nur ein Hilfsmittel in kritischen Situationen, sie sind absolut keine Garantie des Überlebens und sollten auch nicht als einzige Sicherheitsausrüstung getragen werden. So solltest Du neben deiner gesamten Lawinenausrüstung auch immer Helm und Protektoren tragen. Außerdem können Lawinenrucksäcke auch das nötige Wissen bezüglich des Geländes, der Wetter- und Schneebedingungen und die Hilfe Deiner treuen Freunde, die Du immer im Gelände dabei haben solltest, nicht ersetzen! Wenn Du Dir nicht sicher bist, welche Ausrüstung Du immer dabei haben solltest, dann sieh Dir unseren Guide rund um das Thema Sicher mit der richtigen Lawinenausrüstung, dort erhältst Du alle wichtigen Informationen!

Lawinenrucksäcke können für die verschiedensten Arten des Skifahrens, Tourengehens, Splitboardens oder Snowmobilens genutzt werden. Ebenso für Freeride, Gelände, Hoch Alpin, Heli- oder Cattouren, Ein-Tages- oder Mehr-Tages-Touren. Abhängig davon, was Du vor hast, solltest Du den richtigen Rucksack mit passendem Stauraum und System wählen.

 

 

Lawinen Airbag Systeme Erklärt: Wo liegen die Unterschiede?


 

Arva REACTOR Lawinen Airbag System

Arva Lawinen Rucksäcke sind mit dem REACTOR System Arva’s eigenem System ausgestattet. Dieses System besteht aus einem Airbag mit 150L Kapazität und einem Dual-Inflationssystem. Das System allein ist sehr klein und kompakt: es wiegt lediglich 790g und kann einfach aus dem Rucksack entfernt werden und in einem anderen Rucksack, welcher REACTOR kompatibel ist, eingebaut werden.

Der Inflationssack hat zwei identische Seiten, welche sich, sollte einer der beiden kaputt gehen, unabhängig voneinander füllen. Die Zylinder sind aus Stahl oder Karbon mit Innendruck von 300bar. Sie können nur von ARVA gefüllt werden, gehören daher zu der Kategorie der nicht-wiederbefüllbaren Zylinder. Arva bietet in der Wintersaison 2018/19 Airbagrucksäcke in den Größen 1824, und 32 L an.

Die Arva Lawinenrucksäcke mit Reactor System bieten ein diagonales Skitragesystem an der Vorderseite des Rucksackes. Zusätzliche Ausrüstung wie Eispickel können mit mehreren Schlaufen befestigt werden.

 

 

 

BCA Float System

 

BCA ist einer der Hauptakteure im Bereich Lawinensicherheit. Sie haben ihr eigenes System aus 150L Airbag und Zylinder, gefüllt mit Druckluft. Das System wird mithilfe eines Bowderzugs ausgelöst, welcher den Airbag mit dem Zylinder verbindet.

Der Airbag ist an der Oberseite des Rucksackes positioniert, schützt zusätzlich vor Kopftrauma und Verletzungen des Nackens und Oberkörpers und lässt die Seiten des Körpers frei. BCA bietet Airbagrucksäcke in den verschiedensten Größen: 22 und 27 L. 

Mit Ausnahme vom 8L Float bieten alle BCA Lawinenrucksäcke ein diagonales Skitragesystem und sind mit Snowboardtragesystem kompatibel, welches separat erworben werden muss (nur am 32L Float ist dieses bereits befestigt).

 

 

 

 

 

 

Pieps und das JetForce System

JetForce wird unter anderem von der Marke Pieps genutzt. Dieses System ist speziell, denn es füllt sich nicht durch einen Zylinder, sondern durch eine Batterie-betriebene Düsenstrahlbefüllung. Der 200L Inflationssack füllt sich innerhab von 3,5 Sekunden. Nach Komplettbefüllung des Sackes wird dieser noch drei weitere Minuten mit Luft bepumpt – sollte der Airbag reißen oder Löcher haben so könnte dies lebensnotwendig sein! Nach drei Minuten entleert sich der Airbag wieder, wodurch ein Luftloch im Falle einer Vergrabung entstehen kann und sonst beim Einpacken des Airbags hilft. Dieses System ist eines der teuersten, aber hier kannst Du Auslösungen trainieren und vor jedem Ausflug sichergehen, dass der Airbag richtig funktioniert.

Der JetForce ist mit einer einfach wiederaufladbaren Lithium-Ion-Batterie ausgestattet, die auch beim Reisen keinerlei Probleme macht. Vollaufgeladen kann diese Batterie mehrere Auslösungen bewerkstelligen und bei bis zu -30 Grad Celsius genutzt werden.

Alle JetForce Rucksäcke besitzen ein diagonales Skitragesystem und der Black Diamond Saga 40 ist auch mit Snowboards kompatibel. Ein zusätzliches Plus ist die Selbst-Diagnose, welche am Griff des Systems angebracht ist und dessen Status anzeigt.

 

 

ABS Lawinenrucksack

ABS ist schon seit geraumer Zeit im Lawinenrucksack-Markt vertreten, was bedeutet, dass dieses System schon vielfach genutzt und getestet wurde. ABS nutzt das TwinBag Airbag System, welches seitlich am Rucksack auslöst. Insgesamt 170L Volumen füllen sich unabhängig voneinander, sprich auch wenn ein Sack beschädigt sein sollte, bleibt der andere funktionstüchtig. Die ABS Kartusche wird durch eine Anstecheinheit ausgelöst, wodurch das Gas in den TwinBags freigelassen wird. Diese Patronen sind sowohl in Stahl, als auch Karbon erhältlich und sind nicht wieder auffüllbar.  Die Besonderheit ist das individuelle Anbringung des Auslösegriffs, welcher von Links- als auch Rechtshändern individuell angebracht werden kann. 

 

 

Mammut P.A.S. & R.A.S.

Mammut bietet die  Airbag Technologie 3.0 an. Diese ist leichter und bequemer zum Tragen und inkludiert bei einigen Rucksäcken schmälere Riemen und optimierte Hüftgürtel. Die 3.0 Technologie kann nicht mit älteren Rucksäcken kombiniert werden. Beide Systeme füllen innerhalb von 3 Sekunden und sind bei bis zu -30 Grad Celsius einwandfrei nutzbar. 

Die Zylinder gibt es in Karbon und Stahl. Die beiden in Europa verkauften Zylinder können nicht wieder aufgefüllt werden, aber Du kannst sie in unsere Filialen bringen und bekommst für ca. 25 € eine volle Kartusche.  Beide Systeme –  P.A.S. und R.A.S. – sind ausbaubar und mit den Rucksäcken verschiedener Größen kompatibel, sodass Du stets den richtigen Rucksack für Deine Tour wählen kannst.

Alle Gebrauchsanweisungen des Mammut R.A.S 3.0, sowie sämtlicher älterer Systeme in den verschiedenen Sprachen findest Du auf der offiziellen Mammut Webseite.

 

  

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Auf dem Bild oben siehst Du links den Mammut R.A.S und rechts den Mammut P.A.S. 

 

 

 

Das Mammut P.A.S. Protection Airbag System 3.0

Das Mammut Protection Airbag System (P.A.S.) ist eines der beiden Systeme, welche Mammut derzeit in seinen Lawinenrucksäcken nutzt. Dieses System besitzt einen 3D geformten Airbag, welcher aus robustem, reißfestem Nylon gebaut ist und dazu designet wurde, so viel Schutz wie möglich zu bieten. Der P.A.S. Airbag löst um den Kopf, Nacken und Brust aus und bietet dadurch zusätzlichen Schutz vor mechanischen Verletzungen.

 

 

Foto Header: bca/©Shaxe von David Carlier + K2

 

Das Mammut R.A.S Removable Airbag System 3.0

Der Hauptunterschied zwischen R.A.S. und P.A.S. von Mammut ist die Positionierung des Airbag Systems. Beim R.A.S. befindet sich dieses an der Oberseite des Rucksackes und löst hauptsächlich oberhalb des Kopfes und an der Seite aus, während das P.A.S in einer 3D Form auslöst und zusätzlichen Schutz für den Nackenbereich bietet. R.A.S konzentriert sich auf Gewichtsreduktion. Der Airbag mit Karbon Zylinder wiegt lediglich 1,5kg, der Rest ist von der Größe des Rucksackes abhängig. Der kleinste 20 L Mammut R.A.S Rucksack wiegt nur 0,5 kg. 

 

Ortovox AVABAG

Das Ortovox AVABAG System ist seit Winter 2016 auf dem Markt, aber hat dort sehr gute Eindrücke hinterlassen, besonders unter Skitourengehern die die leichten 940g (Gewicht ohne Patrone) schätzen. Der Airbag ist in einem sehr knalligen Orange gehalten, was das Suchen nach einer verschütteten Person erleichtert.

Ein Vorteil gegenüber anderen Herstellern ist die verstellbare Länge des Auslösegriffs, welcher in zwei verschiedenen Größen ausgezogen werden kann. Ortovox bietet außerdem Rucksäcke verschiedener Größen an, sodass Du für sowohl eintägige Freeride Touren, als auch Mehrtagesabenteuer bestens gerüstet bist.

Das AVABAG System ist herausnehmbar und mit allen ORTOVOX AVABAG-Rucksäcken kompatibel; nach jeder Auslösung kann auch hier wieder die Kartusche direkt in unseren Filialen gegen ca. 25 € nachgefüllt werden. Wir haben  vergangenes Jahr den Ortovox AVABAG getestet und einen Produkt Test dazu verfasst.

 

 

 

Scott Alpride Lawinenrucksack System

Alle Scott Lawinenrucksäcke sind mit Alpride System ausgesgattet, ein unabhängiger Airbag Hersteller aus der Schweiz. Das Alpride System besteht nur aus einigen wenigen Teilen. Das bedeutet auch weniger Teile die kaputt gehen könnten. Der Unterschied zu anderen Systemen ist die duale Funktion der Zylinder, welche durch einen sehr simplen Anstichsprozess ausgelöst werden und das Gas freisetzen.

Die beiden Zylinder funktionieren nach dem selben Prinzip wie Schwimmwesten und werden von der Navy seit über 50 Jahren genutzt. Das Alpride System ist außerdem herausnehmbar, sodass Du den Rucksack auch ohne nutzen kannst. Außerdem ist es zusätzlich mit einem D3O® Rückenprotektor ausgestattet.

Auf der offiziellen Scott Webseite findest Du zusätzliche Informationen zum System sowie die Gebrauchsanweisung.

 

 

 

SYSTEM MARKE INFLATION SACK ZYLINDER GRIFF
Reactor Arva Gas (Argon oder Nitrogen) 2x 75 L
  • Stahl oder Karbon
  • Nicht wiederbefüllbar
Links & Rechts
Float System BCA Komprimierte Luft 150 L
  • Stahl
  • Wiederbefüllbar
Links & Rechts
JetForce Pieps Luft 200 L
  • Batteriebetriebene Düse
Links
P.A.S. Mammut Gas 150 L
  • Stahl oder Karbon (nicht wiederbefüllbar)
Links
R.A.S. Mammut Gas 150 L
  • Stahl oder Karbon (nicht wiederbefüllbar)
Links
Avabag Ortovox Gas N/A
  • Karbon
  • Nicht wiederbefüllbar
Verstellbare Länge
Alpride Scott Gas 150 L
  • Stahl
  • Nicht wiederbefüllbar
Links & Rechts
ABS Dakine Gas 170 L
  • Stahl oder Karbon
  • Nicht wiederbefüllbar
Links

 

 

lawinenrucksäcke bei uns im shop



 

Wartung des Lawinenrucksackes


Vor Saisonstart sollte immer eine richtige Auslösung ausgeführt werden, denn nur so können mögliche Risse oder Fehler im System gefunden werden. Nach jeder Auslösung sollte der Airbag genauestens geprüft werden, um jegliche Löcher oder Risse zu vermeiden und auch der Griff muss auf mögliche Schwachstellen geprüft werden. Natürlich ist auch die Gebrauchsweisung des Herstellers zu lesen, um zu sehen, ob dieser noch andere Vorsichtsmaßnahmen vorgibt.

 

 

Reisen mit dem Lawinenrucksack


Wie schon gesehen, gibt es einige Unterschiede zwischen den verschiedenen Airbagsystemen und auch die Vorgehensweise der IATA variiert. Um Dir mit diesem Thema zu helfen, haben wir einen kompletten Blog Post dem Transport von Lawinenrucksäcken mit dem Flugzeug gewidmet. Dort findest Du alle Informationen und Dokumente die Du brauchst, um Deine Lawinensicherheitsausrüstung problemlos befördern zu können.

 

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Foto Header: ABS