Sicherungsgeräte beim Klettern: Unterschiede, Einsatzbereiche und Kaufberatung

Wer beim Klettern sichert, übernimmt Verantwortung. Das Sicherungsgerät ist dabei ein zentraler Bestandteil der Sicherungskette. Doch welches Gerät passt zu dir? Halbautomat, Autotuber oder klassischer Tube? Die Unterschiede liegen nicht nur im Handling, sondern auch bei der Bremsunterstützung und den möglichen Einsatzbereichen. Ob in der Kletterhalle, am Fels oder auf einer Mehrseillängentour: In diesem Ratgeber erfährst du, welche Arten von Sicherungsgeräten es gibt, worauf du bei der Auswahl achten solltest und welches System zu deinem Kletteralltag passt.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • 🧗 Sportklettern: Für Halle und Klettergarten empfiehlt der DAV Sicherungsgeräte mit Blockierunterstützung.
  • ⚙️ Gerätetyp: Halbautomaten, Autotuber und Tuber unterscheiden sich vor allem in ihrer Bremsunterstützung und Bedienung.
  • 🪢 Kompatibilität: Seildurchmesser, Seiltyp und Sicherungsgerät müssen zueinander passen.
  • ⚖️ Gewichtsunterschied: Bei größeren Gewichtsunterschieden können Bremsassistenten die sichernde Person zusätzlich unterstützen.
  • Sicher bedienen: Egal welches System du nutzt, das Bremshandprinzip gilt immer und die richtige Bedienung muss sicher beherrscht werden.

 

Was macht ein Sicherungsgerät eigentlich?

Ein Sicherungsgerät hilft dir beim Klettern, das Kletterseil zu kontrollieren und im Falle eines Sturzes die entstehenden Kräfte zu beherrschen. Je nach Bauart wird das Seil dabei unterschiedlich stark gebremst oder zusätzlich blockiert. Neben dem Halten eines Sturzes gehört auch das kontrollierte Ablassen der kletternden Person zu den wichtigsten Aufgaben. Einige Geräte lassen sich außerdem zum Abseilen oder zum Nachsichern in Mehrseillängen verwenden.

 

Wie stark dich ein Sicherungsgerät beim Bremsen unterstützt, hängt vom jeweiligen System ab. Bei einem klassischen Tube entsteht die Bremswirkung beispielsweise durch die Reibung und Umlenkung des Seils. Andere Geräte besitzen eine geometrische oder mechanische Blockierunterstützung, die beim Halten eines Sturzes zusätzliche Sicherheitsreserven bieten kann.

 

Wichtig ist jedoch unabhängig vom Gerät: Die Bremshand bleibt am Bremsseil. Auch ein Sicherungsgerät mit Blockierunterstützung nimmt dir das Sichern nicht vollständig ab. Entscheidend ist deshalb immer, dass du dein Gerät kennst, seine korrekte Bedienung beherrschst und das Bremshandprinzip einhältst.

 

ℹ️ Bremshandprinzip

Beim Sichern gilt immer: Eine Hand umschließt jederzeit das Bremsseil. Das gilt unabhängig davon, ob du mit Halbautomat, Autotuber oder Tuber sicherst. Zusätzlich muss die Bremshand in der für das jeweilige Gerät vorgesehenen Position bleiben, damit ein Sturz zuverlässig gehalten werden kann.

 

Unterschiedliche Klettersicherungen: Halbautomat, Autotuber und Tube einfach erklärt

Wer sich mit Sicherungsgeräten beschäftigt, stößt schnell auf Begriffe wie Halbautomat, Autotuber oder Tube. Ganz eindeutig voneinander getrennt werden diese Bezeichnungen allerdings nicht immer. Der Deutsche Alpenverein verwendet „Halbautomat“ beispielsweise als Oberbegriff für Sicherungsgeräte mit Blockierunterstützung und zählt dazu auch Autotuber. Hersteller unterscheiden teilweise genauer nach Funktionsweise und Norm. Für die Auswahl deines Sicherungsgeräts ist deshalb vor allem entscheidend, wie das Gerät bremst, wie es bedient wird und für welchen Einsatz es gedacht ist.

 

Halbautomaten mit beweglicher Klemmmechanik

Bei Halbautomaten mit mechanischer Blockierunterstützung wird das Seil bei einer entsprechenden Belastung durch einen beweglichen Mechanismus im Gerät abgeklemmt. Dadurch ist das Halten eines Sturzes deutlich weniger von der Handkraft der sichernden Person abhängig als bei einem klassischen Tube.

 

Gerade beim Sportklettern in der Halle und im Klettergarten bieten Geräte mit Blockierunterstützung zusätzliche Sicherheitsreserven. Genau aus diesem Grund empfiehlt der DAV sie als primäres Sicherungsgerät für diese Einsatzbereiche. Trotzdem gilt auch hier immer das Bremshandprinzip.

 

Autotuber: Halbautomaten mit geometrischer Blockierunterstützung

Autotuber gehören ebenfalls zur Gruppe der Halbautomaten, da sie eine Blockierunterstützung besitzen. Anders als bei Halbautomaten mit beweglicher Klemmmechanik entsteht diese Unterstützung jedoch durch die Geometrie des Geräts: Bei Belastung wird das Seil zwischen Sicherungsgerät und Karabiner eingeklemmt. Die Brems- und Blockierwirkung hängt deshalb unter anderem vom verwendeten Seil und Sicherungskarabiner ab. In ihrer Bedienung ähneln Autotuber häufig klassischen Tubes. Auch hier gilt uneingeschränkt das Bremshandprinzip.

 

 

 

 

Klassische Tubes: vielseitig und ohne Blockierunterstützung

Bei klassischen Tubes entsteht die Bremswirkung durch die Umlenkung und Reibung des Seils im Gerät und am Karabiner. Anders als bei Geräten mit Blockierunterstützung muss die notwendige Bremskraft aktiv durch die sichernde Person erzeugt werden. Die korrekte Position der Bremshand ist deshalb besonders wichtig.

 

Tubes punkten dafür mit einer einfachen Konstruktion, schnellem Seilhandling und vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Viele Alpin-Tubes können mit zwei Seilsträngen verwendet werden und eignen sich zum Abseilen. Modelle mit freigegebenem Guide- oder Plattenmodus ermöglichen zusätzlich das direkte Nachsichern vom Standplatz. Während der DAV beim Sportklettern Geräte mit Blockierunterstützung empfiehlt, gehören Tube und HMS im Mehrseillängenbereich weiterhin zu den etablierten Sicherungsmethoden.

 

 

 

 

Kletterausrüstung: Welches Sicherungsgerät für welchen Einsatz?

Nicht jedes Sicherungsgerät ist für jede Art des Kletterns gleich gut geeignet. Während in der Halle und beim Sportklettern vor allem eine zuverlässige Blockierunterstützung und ein gutes Handling gefragt sind, spielen auf Mehrseillängen weitere Faktoren eine Rolle. Dazu gehören etwa das Sichern mit zwei Seilsträngen, das Nachsichern vom Standplatz und die Möglichkeit zum Abseilen.

 

Kletterhalle und Sportklettern am Fels

Für das Sportklettern in der Halle und im Klettergarten empfiehlt der Deutsche Alpenverein Sicherungsgeräte mit Blockierunterstützung. Dazu zählen sowohl Halbautomaten als auch Autotuber. Der Grund: Blockiert das Gerät bei einem Sturz, ist das Halten weniger von der Handkraft der sichernden Person abhängig und das System bietet eine zusätzliche Sicherheitsreserve.

 

Ob du dabei einen Halbautomaten oder einen Autotuber bevorzugst, hängt stark vom Handling ab. Gerade beim Vorstieg muss sich schnell Seil ausgeben und ebenso schnell wieder einholen lassen. Deshalb solltest du nicht nur auf die Art der Blockierunterstützung schauen, sondern ein Gerät wählen, dessen Bedienung du kennst und sicher beherrschst.

 

Toprope und Projektieren

Beim Toprope-Klettern oder beim Projektieren hängt die kletternde Person häufiger und teilweise länger im Seil. Hier können Halbautomaten besonders angenehm sein, da der Blockiermechanismus greift, wenn das Seil belastet wird. Das bedeutet allerdings nicht, dass du bei blockiertem Gerät das Bremsseil loslassen kannst. Die Bremshand muss jederzeit am Bremsseil bleiben.

 

Mehrseillängen und Alpinklettern

Auf Mehrseillängen ändern sich die Anforderungen. Hier müssen je nach Tour nicht nur Vorsteiger und Nachsteiger gesichert werden, sondern häufig wird auch mit Halb- oder Zwillingsseilen geklettert und über das Sicherungsgerät abgeseilt. Der DAV bezeichnet deshalb Tube und HMS weiterhin als Standardsicherungsgeräte im Mehrseillängenbereich. HMS steht für Halbmastwurfsicherung: Dabei wird das Seil mit einem Halbmastwurf über einen geeigneten HMS-Karabiner gesichert, ohne dass ein separates Sicherungsgerät benötigt wird. Besonders vielseitig sind Tubes oder Autotuber mit zwei Seilkanälen, die je nach Modell auch mit Halb- und Zwillingsseilen verwendet werden können.

 

Das heißt aber nicht, dass Halbautomaten auf Mehrseillängen grundsätzlich außen vor sind. Moderne Geräte erweitern diesen Einsatzbereich zunehmend. Das Edelrid Pinch ist beispielsweise ausdrücklich auch für Mehrseillängen vorgesehen und kann zum Nachsichern direkt am Standplatz verwendet werden. Entscheidend ist deshalb weniger die pauschale Frage „Halbautomat oder Tube?“, sondern welche Funktionen du auf deinen Touren tatsächlich brauchst.

 

Darauf solltest du beim Kauf deiner Klettersicherung achten

Welches Kletter Sicherungsgerät zu dir passt, hängt von deinem Einsatzbereich, dem verwendeten Seil und deinen persönlichen Vorlieben beim Handling ab. Vor dem Kauf solltest du deshalb vor allem auf folgende Punkte achten:

  • Einsatzbereich: Für Sportklettern in Halle und Klettergarten empfiehlt der DAV Geräte mit Blockierunterstützung. Auf Mehrseillängen können dagegen Funktionen zum Nachsichern, Abseilen oder die Verwendung von zwei Seilsträngen entscheidend sein.
  • Seildurchmesser: Jedes Sicherungsgerät ist nur für bestimmte Seildurchmesser zugelassen. Zusätzlich können Durchmesser und Beschaffenheit des Seils die Bremswirkung und das Handling beeinflussen.
  • Seiltyp: Wenn du mit Halb- oder Zwillingsseilen kletterst, muss dein Sicherungsgerät für den jeweiligen Seiltyp und gegebenenfalls zwei Seilstränge geeignet sein.
  • Handling: Seil ausgeben, einholen und ablassen sollte kontrolliert und für dich intuitiv funktionieren. Wichtig ist vor allem, dass du die vorgesehene Bedienung deines Geräts sicher beherrschst.
  • Sicherungskarabiner: Gerät und Karabiner müssen miteinander kompatibel sein. Bei einigen Sicherungsgeräten geben Hersteller bestimmte Karabiner oder Karabinerformen vor beziehungsweise empfehlen diese ausdrücklich.
  • Zusatzfunktionen: Überlege, welche Funktionen du tatsächlich benötigst, beispielsweise zum Abseilen oder Nachsichern auf Mehrseillängen. Mehr Funktionen machen ein Sicherungsgerät nicht automatisch zur besseren Wahl.

 

Gewichtsunterschied beim Klettern: Wann ein Bremsassistent sinnvoll wird

Ist die kletternde Person deutlich schwerer als die sichernde, kann das Sichern anspruchsvoller werden. Bei einem Sturz kann die leichtere Person stark nach oben gezogen werden, wodurch sich der Bremsweg verlängert und das Risiko von Kollisionen oder einem Anprall an der Wand steigt. Besonders bei einem geraden und reibungsarmen Seilverlauf spielt der Gewichtsunterschied eine große Rolle.

 

Bremsassistenten werden zusätzlich in den Seilverlauf eingebaut und erhöhen bei Belastung gezielt die Bremswirkung. Dadurch wirken geringere Kräfte auf die sichernde Person und größere Gewichtsunterschiede innerhalb einer Seilschaft lassen sich besser ausgleichen. Wie stark die Unterstützung ausfällt, hängt jedoch unter anderem vom Gerät, dem Seil und dem Routenverlauf ab.

 

Ein Bremsassistent ersetzt weder eine saubere Sicherungstechnik noch das Bremshandprinzip. Da er die Sicherungskette um weitere Komponenten erweitert, solltest du dich mit der korrekten Anwendung und den Herstellerhinweisen des jeweiligen Systems vertraut machen.

 

Edelrid Pinch und Ohmega: Zwei spannende Lösungen fürs Sichern

Mit dem Pinch und dem Ohmega bietet Edelrid zwei interessante Produkte, die beim Klettern an unterschiedlichen Stellen ansetzen. Das Pinch ist ein vielseitiges Sicherungsgerät mit Blockierunterstützung und eignet sich unter anderem fürs Sportklettern und für Mehrseillängen.

 

Das Ohmega ist dagegen kein klassisches Sicherungsgerät, sondern ein zusätzlicher Bremsassistent. Drei einstellbare Bremsstufen unterstützen die sichernde Person, während eine integrierte Rolle die zusätzliche Seilreibung beim Klettern und Clippen gering hält. Dadurch ist das Ohmega nicht nur für Seilschaften mit Gewichtsunterschied interessant, sondern kann auch unabhängig davon für zusätzlichen Komfort und Unterstützung beim Sichern sorgen. Beim Ohmega müssen die aktuelle Gebrauchsanleitung und die Sicherheitshinweise beachtet werden. Als Maßnahme zur Senkung des Risiko eines Bodensturzes empfiehlt der DAV die Hintersicherung mittels einer Expressschlinge. Außerdem sollte die Schraubverbindung entsprechend dem aktuellen Edelrid Sicherheitshinweis kontrolliert werden.

 

 

 

 

Das Sichern hängt nicht nur vom Gerät ab

Ein modernes Sicherungsgerät kann dich beim Halten eines Sturzes unterstützen, ersetzt aber keine saubere Sicherungstechnik. Der DAV betont, dass jedes Sicherungsgerät eine eigene Handhabung erfordert und die entsprechenden Bewegungsabläufe sicher beherrscht werden müssen.

 

Besonders wichtig bleibt das Bremshandprinzip: Eine Hand kontrolliert jederzeit das Bremsseil. Vor jedem Start gehört außerdem der Partnercheck dazu. Dabei werden unter anderem Klettergurt, Einbindeknoten sowie das korrekt eingelegte und geschlossene Sicherungssystem kontrolliert.

 

Gerade wenn du auf ein neues Sicherungsgerät wechselst, solltest du dich deshalb mit der vom Hersteller vorgesehenen Bedienung vertraut machen und die Anwendung zunächst in kontrollierter Umgebung üben. Auch Halbautomaten und Autotuber können bei falscher Bedienung ihre Sicherheitsreserven nicht vollständig ausspielen.

 

 

Fazit: Das passende Sicherungsgerät für deinen Kletteralltag

Das eine beste Sicherungsgerät gibt es nicht. Entscheidend ist, dass das System zu deinem Einsatzbereich, deinem Seil und deinen Anforderungen passt und du die Bedienung sicher beherrschst. Beim Sportklettern in Halle und Klettergarten bieten Halbautomaten und Autotuber mit Blockierunterstützung zusätzliche Sicherheitsreserven, während beim Mehrseillängen- und Alpinklettern auch Tuber aufgrund ihrer vielseitigen Einsatzmöglichkeiten eine wichtige Rolle spielen.

 

Nimm dir bei der Auswahl deshalb Zeit, vergleiche die verschiedenen Systeme und achte auf die Herstellerangaben zu Seil, Karabiner und Einsatzbereich. Denn am Ende zählt nicht, welches Sicherungsgerät die meisten Funktionen bietet, sondern welches zu deinem Klettern passt und von dir zuverlässig bedient werden kann.

 

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