Stella Plantin beim Bouldern vor Göteborg

„Von Natur aus, war ich bereits Kletterin“: Interview mit Profi-Kletterin Stella Plantin

„Ich bin in mehreren Sportarten aktiv, einfach weil es da draußen zu viele tolle Sportarten gibt!“, sagt Stella Plantin über sich. Am meisten liegt Stella dabei das Klettern am Herzen. Jahrelang trat sie für das schwedische Kletter-Team an. Wir haben  Stella in die Schärengärten vor ihrer Heimatstadt Göteborg begleitet, um mit ihr über ihre sportliche Leidenschaft zu sprechen.

 

Wie bist du zum Bouldern gekommen?

Eigentlich habe ich nicht damit angefangen, sondern bloß nie damit aufgehört. Als Kind bin ich auf alles geklettert, was ich zum Klettern fand: Bäume, Möbel, Fahnenmasten, Geschwister und Felsen. Als ich dann später über das Klettern als Sport stolperte, war mir sofort klar, dass das mein Ding ist – denn von Natur aus war ich bereits eine Kletterin.

 

Stella Plantin beim Bouldern

Stella Plantin beim Bouldern vor Göteborg. Foto: Sport Conrad

 

Was gefällt dir am besten an diesem Sport?

Für mich fühlt sich Klettern wie eine ganz natürliche Sache an. Wir waren früher alle Affen. Ich schätze, ich bin da hängen geblieben. Kein Felsbrocken wird jemals wie der andere sein. Wir klettern mit dem Körper, den wir haben, Kletterschuhe sind unsere einzige Ausrüstung. Das gefällt mir. Es liegt an uns, herauszufinden, welche Herangehensweise an den Felsen am besten zu uns passt. Jeder Felsbrocken ist ein neues Puzzle, das von uns verstanden und in Körperbewegung umgesetzt werden muss. Das lässt dein Gehirn von allem anderen abschalten und präsent sein. Der Sport erfordert sowohl Vertrauen in die geistigen und körperlichen Fähigkeiten unseres eigenen Körpers als auch in den Schutz durch unsere KletterpartnerInnen. Vielleicht ist das ein Grund dafür, warum meine KletterpartnerInnen meine engsten Freunde geworden sind. Nicht zuletzt gibt mir das Bouldern einen Grund, hinaus in die Natur zu gehen. Es hat mich an Orte gebracht, die ich sonst nie sehen würde. 

 

Stella Plantin packt Crashpad zusammen

Stella Plantin packt ihr Crashpad genau da aus, wo die Natur sie hin leitet. Foto: Sport Conrad

 

Was macht für dich dieser Ort vor Göteborg aus?

Der Archipel an der schwedischen Westküste ist ziemlich berühmt, dafür gibt es einen Grund: Er ist wunderschön! Hier gibt es unendlich viele Schären und Inselchen, vor einem Hintergrund aus endlosem Ozean. An ruhigen Tagen ist dies der friedlichste Ort, den man sich vorstellen kann. An anderen Tagen zeigt Mutter Natur ihre Kraft sehr deutlich. Wenn der Wind kommt, steigt das Meer und die Wellen werden riesig. Trägst du dann ein Crashpad entscheidest nicht mehr du, in welche Richtung du gehst. Diese Wetterkontraste faszinieren mich enorm. Der Fels bleibt gleich, während sich das Meer komplett verändert. Alles liegt in der Hand von Mutter Natur. Wir müssen lernen, uns anzupassen.

 

Hast du einen Profi-Tipp, den du mit uns teilen möchtest?

Mein Tipp ist, sich nicht zu sehr auf die Frage „Was und wie soll ich trainieren, um besser zu werden?“ zu konzentrieren. Klettern ist eine natürliche Sache. Die meisten Menschen klettern als Kinder. Es kann sein, dass du vergessen hast, wie man es richtig macht, aber du hast es in dir. Daher wäre mein Tipp stattdessen: Klettere einfach! Je mehr du kletterst, desto besser wird dein Körper verstehen, wie man sich richtig am Fels oder an der Wand bewegt. 

 

Stella Plantin beim Bouldern in Schweden

Einfach klettern: Das ist Stellas Tipp, um in der Wand besser zu werden. Foto: Sport Conrad

 

Was hast du vom Bouldern gelernt?

Ich habe gelernt, dass es an uns selbst liegt, in unser Leben zu bringen, was uns am meisten Freude, Glück und Frieden verschafft. Das sind für verschiedene Menschen ganz unterschiedliche Dinge. Das Klettern hat mich daran erinnert, dass ich in der ersten Reihe meines Lebens sitze und niemand sonst. Dasselbe gilt für dich!

 

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