Maria Ries ist bei Sport Conrad für das Thema CSR (Corporate Social Responsibility) zuständig und hat sich mit uns auf ein Gespräch am Philosophenweg in Garmisch-Partenkirchen getroffen. Wir sprechen über Verantwortung, Zuversicht und wie wir gemeinsam in Bewegung kommen.
Entlang des geschwungenen Pfades des Philosophenwegs bieten zahlreiche Sitzbänke Denkanstöße und laden Spazierende ein, innezuhalten und den Blick auf das Ammergebirge zu genießen. Wir treffen Maria Ries, CSR-Verantwortliche bei Sport Conrad, zu einem Spaziergang – um wortwörtlich in Bewegung zu kommen und über ein Thema zu sprechen, das genau das von uns verlangt: Nachhaltigkeit.

Maria Ries, CSR-Verantwortliche bei Sport Conrad. Foto: Sport Conrad
Warum ist der Philosophenweg ein guter Ort, um über Nachhaltigkeit zu sprechen?
Dies ist meine Laufstrecke. Der Weg startet am Atemwegslehrpfad, bietet zahlreiche Bänke zum Innehalten, Staunen und Austauschen. Ich mag daran besonders, dass man dabei die Zugspitze im direkten Blick hat. Das erdet mich. Erstmal tief durchatmen, mit der Umgebung in Verbindung kommen und – laufend – von der Natur lernen.
Der Weg ist leicht erreichbar, also trifft man hier ganz unterschiedliche Menschen: Jung und Alt, Gäste und Einheimische. Jede*r kann ihn gehen. Und genau das finde ich im Kontext Nachhaltigkeit entscheidend: Es kommt auf jede und jeden an. Und dann gilt – wie beim Sport: „Walk the talk“. Es braucht Energie, Ausdauer und manchmal auch Durchhaltevermögen. Schritt für Schritt.
Was hat Nachhaltigkeit mit Bewegung zu tun?
In diesem Jahrzehnt entscheidet sich, wie wir dieses Jahrhundert leben werden. Dafür braucht es buchstäblich viel Bewegung. Es reicht nicht, über Lösungen zu sprechen – wir müssen sie auch umsetzen.
Ich übersetze Nachhaltigkeit deshalb gerne mit dem Begriff „Zukunft“. Dabei sind Kopf, Herz und Hand gleichermaßen gefragt. Und wir müssen möglichst viele Menschen mobilisieren, sich mit uns auf den Weg zu machen. Nachhaltigkeit ist kein Sprint im Alleingang, sondern eine Expedition im Team.
Gerade Orte wie dieser helfen, den Blick auf das Wesentliche zu lenken – raus aus der Überforderung, hin zu kleinen, alltäglichen Bewegungen. Wer hier am Philosophenweg spaziert, sieht direkt vor sich: Die Natur findet immer einen Weg. Das sollten wir uns zum Vorbild nehmen.
Transformation gelingt nur gemeinsam
Wo steht Sport Conrad aktuell auf dem Weg zur Nachhaltigkeit?
Sport Conrad hat mit der „Wir denken um“-Initiative bereits 2018 eine wichtige Weiche gestellt. Die Frage war und ist: Wie können wir als Familienbetrieb in vierter Generation wirtschaftlich so handeln, dass es auch für kommende Generationen noch tragfähig ist?
Es gibt eine klar formulierte Roadmap mit konkreten Zielen. Hinzu kommen die Anforderungen der EU zur nachhaltigen Berichterstattung. Aber: Es geht nicht nur um Pflichterfüllung. Es geht um Verantwortung und Zukunftsfähigkeit. Dafür setzen wir uns Ziele – und belegen diese mit Maßnahmen.
Für mich ist das „Wir“ in „Wir denken um“ zentral. Transformation gelingt nicht von oben herab, sondern nur im Miteinander. Mir ist wichtig zuzuhören: Was beschäftigt das Team? Wo kann ich unterstützen? Wie können wir als Branche besser werden? Es ist wie hier am Philosophenweg: Man kommt in den Austausch, hört einander zu – und geht dann gemeinsam weiter.

Wer hier am Philosophenweg spaziert, sieht es direkt vor sich: Die Natur findet immer einen Weg. Foto: Sport Conrad
Wie sehen diese Ziele in deinem Arbeitsalltag aus? Wie dürfen wir uns euren Arbeitsbereich konkret vorstellen?
Zusammen mit meinem CSR-Team sorge ich dafür, dass Nachhaltigkeit im Tagesgeschäft ankommt. Grundlage dafür ist unsere „Wir denken um“-Roadmap mit den klaren Zielen: Menschen stärken, nachhaltige Produkte fördern, Natur schützen und verantwortungsvoll wirtschaften.
Im Alltag heißt das ganz konkret: Wir entwickeln gemeinsam mit dem Einkauf unser nachhaltiges Sortiment weiter. Mit der Logistik prüfen wir, wie wir weiter CO₂ einsparen können – etwa durch effizientere Prozesse und Optimierung der Verpackungen oder die flächenweite Umstellung auf LED-Beleuchtung. Im HR-Bereich geht es um Bewusstseinsbildung, zum Beispiel durch interne Schulungen oder Azubi-Workshops wie z.B. auf der Zugspitze. Und mit unserem Marketing-Team planen wir Aktionen wie die Community Days, bei denen wir Kolleg:innen, Kund:innen und Partnern zusammenbringen um Bäume pflanzen oder gemeinsam Müll sammeln.
Positive Zukunftsbilder als Motor für nachhaltige Entwicklung
Was bedeutet für dich Kooperation im Kontext Nachhaltigkeit?
Kooperation ist für mich der Schlüssel. Magie entsteht an den Schnittstellen – wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen, nicht bewertet, sondern gehört und lösungsorientiert diskutiert werden.
Gerade die Outdoorbranche hat hier große Chancen. Es gibt bereits viele gute Praxisbeispiele – von nachhaltigen Produktkreisläufen über alternative Geschäftsmodelle bis hin zu regionaler Wertschöpfung. Wenn solche Beispiele sichtbar werden, wächst auch die Nachfrage nach zukunftsfähigen Lösungen.
Kooperation bedeutet für mich: Wettbewerb ein Stück weit hinter sich lassen, um an einem Strang zu ziehen – für gemeinsame Ziele innerhalb der planetaren Grenzen.
Wie kann man motivierend über Nachhaltigkeit sprechen?
Indem man positive Zukunftsbilder schafft – und nicht nur Probleme benennt. Menschen müssen spüren: Ich kann wirklich etwas bewirken – hier und jetzt, im Kleinen wie im Großen.
Angst lähmt. Was wir brauchen, ist Selbstwirksamkeit. Also die Erkenntnis: Ich kann Dinge anstoßen. Vielleicht nicht alles allein verändern, aber doch in meinem Umfeld Einfluss nehmen. Statt Frust zu verbreiten, sollten wir Mut und Zuversicht weitergeben. Und: auch mal Fehler zulassen, hinfallen, wieder aufstehen – solange die Richtung stimmt.

„Magie entsteht an Schnittstellen“, erklärt Maria Ries im Gespräch. Foto: Sport Conrad
Und wie können Menschen konkret anpacken?
Ein tolles Beispiel ist unser Baumpflanz-Event mit der PWG Oberammergau. Unter dem Motto „Bäume pflanzen und zusammen wachsen“ veranstalten wir jedes Jahr Community Days, wo Sport Conrad Mitarbeitende gemeinsam mit Kund:innen, Freunden und Partner bewusst in die Natur gehen und Bäume pflanzen. Bei jedem Event waren rund 50 Freiwillige dabei, inklusive Ranger*innen des Naturparks Ammergauer Alpen, die spannende Einblicke in die heimische Flora und Fauna gaben.
Mit Baumpflanzen zu mehr Nachhaltigkeit: Klingt einfach, aber effektiv?
Wir glauben: In der Einfachheit liegt Schönheit. Es braucht nicht immer das „Höher, schneller, weiter“ – sondern ein neues Bewusstsein für das, was da ist. Fürs Teilen, Reparieren, Verleihen. Initiativen wie unser Secondhandprogramm NOMOI, unsere Reparaturangebote und unser Verleih-Service setzen genau da an.
Bist du durch diese Kooperations- und Zukunftsfähigkeit auch beruflich im Bereich Nachhaltigkeit gelandet? Oder wie kam es dazu?
Ja, die Frage, wie Unternehmen Verantwortung übernehmen und Zukunft mitgestalten, beschäftigt mich schon lange. Ich habe Biologie und BWL studiert – zwei Bereiche, die sich oft widersprechen. Genau dieser Konflikt zwischen Ökonomie und Ökologie hat mich gereizt: Wie schaffen wir beides zusammenzudenken?
Beruflich war ich oft an Schnittstellen unterwegs – zwischen Teams, Themen und Interessen. Dort entsteht für mich das größte Potenzial: wenn man zuhört, vermittelt und gemeinsam weiterdenkt.
Mit diesem Blick bin ich direkt nach dem Studium schon früh in den Nachhaltigkeitsbereich gestartet.

Wie schaffen wir es Ökologie und Ökonomie gemeinsam zu denken? Foto: Sport Conrad
Hast du noch etwas, das du den Lesenden mitgeben möchtest?
Veränderung beginnt bei uns selbst. Man kann niemanden verändern – außer sich selbst. Aber genau das ist auch unser größter Hebel. Und: Es darf leicht beginnen. Vielleicht mit einem Spaziergang. Vielleicht auf dem Philosophenweg.
Einmal tief durchatmen – und loslegen.
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