Natürliche Materialien kann man nicht zum Sport tragen? Das ist so 90er! Fasern wie Merinowolle sind wie dafür gemacht, uns bei schweißtreibenden Abenteuern zur Seite zu stehen. Das durfte ich ganz klassisch im Selbstversuch lernen – wie auch Icebreaker-Gründer Jeremy Moon vor über 30 Jahren. Hier erfährst du die Geschichte des neuseeländischen Unternehmens – und warum 100 Prozent plastikfreie Fasern bis heute zur Unternehmensvision gehören.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich 2012 meine Tante in den USA besuchte und mit meinem kleinen Cousin joggen ging. Er trainierte gerade für sein nächstes Wasserballspiel – und streifte sich für unsere Laufrunde zwei riesige Müllsäcke über. Er wollte sein Training intensivieren und mehr schwitzen. Ganz einleuchten wollte mir das damals nicht, bis ich im darauffolgenden Jahr zu meiner ersten Pressereise zum Thema Merinowolle eingeladen wurde.
Ich hatte zwar schon von Merinowolle als Sportbekleidung gehört, aber als Studentin waren mir die Shirts damals schlichtweg zu teuer. Und ich konnte mir nicht vorstellen, was daran so viel anders sein sollte als an meinen günstigen Polyester-Biketrikots. Ich wanderte also eingehüllt in Merino zwei Tage durch die Stubaier Alpen und schlüpfte zu Hause wieder in mein Polyestershirt. Das machte ich allerdings nicht oft.

Die Merinoprodukte von Icebreaker sind die perfekte Ausstattung für lange Tage auf unwegsamen Pfaden. Foto: Icebreaker
Das Merinoshirt war luftig, leicht, angenehm zu tragen. Mein günstiges Polyestertrikot hingegen klebte an mir, ließ keinen Tropfen Schweiß nach draußen und verwandelte diesen sofort in unangenehmen Geruch. Zweimal dasselbe Shirt auf die Tour tragen? No way. Zwar haben sich die Polyestershirts in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt – Merino hat sich jedoch zu meinem Liebling entwickelt. Mein Shirt hatte trotz der mehrtägigen Wanderung noch keinen Geruch angenommen – und ich fühlte mich auch nach meinen Biketouren noch frisch.
Das ist schließlich auch einer der entscheidenden Vorteile von Merinowolle.
Die Vorteile von Merinowolle im Überblick
1. Natürliches Klimamanagement:
Merinowolle reguliert die Körpertemperatur wie von selbst – sie wärmt bei Kälte und kühlt bei Hitze. Gerade bei wechselhaftem Wetter in den Bergen ein echtes Plus.
2. Atmungsaktiv und feuchtigkeitsableitend:
Merinowolle nimmt Feuchtigkeit auf, ohne sich nass anzufühlen – und transportiert sie nach außen.
3. Geruchsresistent:
Selbst nach mehrtägiger Nutzung riecht Merinowolle kaum. Das Shirt, das ich nach zwei Tagen Wandern trug, war auch nach mehreren Biketouren noch tragbar – ganz ohne waschen dazwischen.
4. Seidig weich und hautfreundlich:
Kein Vergleich zur kratzigen Wolle aus Kindertagen – Merino ist fein, , anschmiegsam und trägt sich wie ein Lieblingsteil. Für empfindliche Haut ideal.
Über die Anfänge von Icebreaker
Auch Jeremy Moon hat auf fast ähnliche Weise die Vorteile von Merinowolle am eigenen Körper erfahren dürfen und hat daraufhin Icebreaker gegründet:
„Wie so oft im Leben passieren die besten Dinge ungeplant. Mit Icebreaker begann alles im Jahr 1994. Ich war 24 Jahre alt und meine amerikanische Freundin kam gerade von einem Aufenthalt auf einer Schaffarm auf Pohenui Island in Neuseeland zurück.
Die Erfahrungen und Eindrücke, die sie auf dieser Farm gesammelt hatte, waren für sie zutiefst beeindruckend und sie überredete mich dazu, den Schafzüchter selbst kennenzulernen. Als ich eine Woche später tatsächlich mit dem Farmer zum Mittagessen verabredet war, schob er mir ein T-Shirt aus Wolle zu: „Was meinst du?“ Ich probierte es sofort an. Es war ganz anders als ich erwartet hatte. Es fühlte sich seidig weich an und war unglaublich bequem – ganz anders als die kratzige, schwere Wolle, die ich aus meiner Kindheit kannte. Es war aus hochfeiner Merinowolle gestrickt, die von den Schafen auf Pohenui Island kam. Ich ließ es zum Mittagessen gleich an und habe es seitdem nie wieder zurückgegeben.

Jeremy Moon entdeckte selbst die Vorteile von Merinowolle – und gründete Icebreaker. Foto: Icebreaker
Wenige Monate zuvor war ich auf einer fünftägigen Kajaktour unterwegs gewesen und trug dabei Polyester. Es war damals das sogenannte „technische“ Outdoor-Material. Zwar sah es irgendwie cool aus, jedoch fühlte es sich unnatürlich an und trug sich wie Plastik. Am zweiten Tag roch ich bereits nach Schweiß. Als ich hörte, dass alle synthetischen Outdoor-Materialien – wie etwa Polyester oder Polypropylen – aus Kunststoff hergestellt werden, war ich schockiert. Es kam mir einfach verrückt vor, in die Natur zu flüchten und dabei eine Plastiktüte zu tragen.
In den nächsten Tagen und Wochen wurden das Merinoshirt und ich deshalb unzertrennlich. Ich ging damit zum Laufen und Biken, trug es unter meinem Hemd zur Arbeit, zum Ausgehen am Abend und ich schlief sogar darin. Es war so herrlich weich, nie zu warm und roch selbst nach tagelangem Tragen nicht. Ich konnte es zudem einfach in die Waschmaschine werfen und im Gegensatz zu anderer Outdoorbekleidung war es 100% natürlich. Meine amerikanische Freundin ging zwar wieder zurück in die USA, jedoch war das T-Shirt zu meiner neuen Leidenschaft geworden.
Genau das hatte ich gesucht: eine großartige Idee mit globalem Potential. Meinem Bauchgefühl folgend kündigte ich meinen Job in der Marktforschung und versetzte mein Haus, um 25.000 Neuseeland-Dollar zu beschaffen – wobei ich der Bank erzählte, dass ich Geld für eine neue Küche bräuchte. Mit dem Geld kaufte ich das Konzept hinter dem Prototyp. Es kam mir nicht riskant vor – vielmehr war ich der Meinung, dass ich keine andere Wahl hatte.

Heute steht Icebreaker weltweit für nachhaltige Outdoorbekleidung mit tiefer Naturverbundenheit – spürbar in Geschichte und Produkten. Foto: Icebreaker
Unser Unternehmenszweck war klar und ließ sich als einfache Frage formulieren: Wie können wir Verbrauchern eine natürliche Alternative zu synthetischer Outdoorbekleidung bieten?
Jeder, der das Produkt trug, war verblüfft. Ich war davon überzeugt, dass das Ganze ein Erfolg werden würde – sofern ich nichts vermasselte. Für mich war es ein Blindflug und ich holte deshalb viel Hilfe ein. Ich arbeitete einen Geschäftsplan aus, fand über die Eltern meiner Freunde acht Investoren, die bereit waren, Geld vorzuschießen und einen Beraterausschuss mit Unternehmergeist und Erfahrung zu bilden. Wir hatten eine klare Vision und so war icebreaker 1995 geboren. Wir waren die Kleinen mit der großen Idee: Menschen mit der Natur zu verbinden, während sie ein Produkt aus der Natur tragen. Noch vor Jahresende wurden wir von 14 mutigen Outdoorgeschäften in ganz Neuseeland geführt. Sie waren die ersten, die bereit waren, sich auf einen jungen Kerl mit einem Traum und einem Koffer voller Merino Base Layer einzulassen.“
Heute – 30 Jahre später – steht Icebreaker in vielen Ländern für nachhaltige Sport- und Outdoorbekleidung, die die Verbindung zur Natur in der Firmengeschichte wie auch in den Produkten selbst widerspiegelt.
Natürliche Alternative zu synthetischer Outdoor-Bekleidung
Der Vision „Move to natural“ ist Icebreaker bis heute treu geblieben. Dabei liegt der Fokus längst nicht mehr allein auf Merinowolle: Ergänzt wird die Kollektion durch Naturfasern wie Tencel, Baumwolle und Leinen – mit einem klaren Ziel vor Augen: 100 Prozent plastikfreie Stoffe.
Bis zur Kollektion 2024 hat Icebreaker das zu 97,56 Prozent erreicht. Komplett plastikfrei – und damit frei von fossilen Ressourcen – zu werden, steht weiterhin ganz oben auf der Agenda. Zudem setzt Icebreaker bei seiner gesamten Lieferkette auf Transparenz, Tierwohl und Umweltverantwortung. Die Merinowolle stammt ausschließlich von zertifizierten Farmen ohne Mulesing, die sozial fair und zunehmend regenerativ wirtschaften. Mehr Einblicke gibt’s im aktuellen Transparency Report von Icebreaker.
Move to natural eben – und das in jeglicher Hinsicht.
Zum Video: Icebreaker – 30 years of real fibres for real performance
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