Merino: Der Alleskönner unter den Funktionsmaterialien

Die Natur macht’s vor – der Mensch macht’s nach. Ein großes Vorbild, wenn es um wärmeisolierende Funktionsbekleidung geht, ist das Schaf. Aber nicht irgendein Schaf, sondern das Merinoschaf. Die robusteste Rasse weltweit und wegen seiner wertvollen Merinowolle vielleicht auch die beliebteste.

 

Ortovox Merino Schaf

 


HERKUNFT VON MERINOWOLLE


Ursprünglich waren Merinoschafe in Nordafrika, später auch in Spanien beheimatet. Heute leben große Herden auf eigenen Schaffarmen in Tasmanien, Neuseeland und Australien. Die beiden letztgenannten Länder haben sich mittlerweile zu den einflussreichsten Wolllieferanten weltweit entwickelt. Dort wird der Großteil dieser Schafswolle verarbeitet.

→ Erfahre mehr in unserem Travel Guide: Berge, Seen und jede Menge Schafe auf der Südinsel Neuseelands

 

Mit dem rauen Klima dieser Regionen kommen die Tiere, dank ihrer besonderen Wolle, perfekt zurecht. Winterliche Temperaturen bis zu -10 Grad und hochsommerliche 30 Grad sind dort keine Besonderheit. Egal ob Sommer oder Winter, das Merinoschaf fühlt sich wohl in seinem Wollpelz. Zu Beginn des Frühlings wird das Tier von seiner Langhaarschicht befreit. Somit bleibt dem Schaf nur noch sein atmungsaktives  Unterhaar, das gleichzeitig die Sonnenstrahlen abschirmt. Werden die Temperaturen kälter, wächst dem Tier wieder ein dicker, bis zu 5 Kilogramm schwerer Wollmantel.

 


WAS IST DAS BESONDERE AN MERINO BEKLEIDUNG?


Das Besondere an Merinobekleidung ergibt sich aus verschiedenen Faktoren. Es liegt unter anderem am angenehmen Tragekomfort auf unserer Haut, einem guten Feuchtigkeitsmanagement, einer sehr guten Temperaturregulierung sowie an der geruchsneutralen Funktion. Um zu verstehen, warum Produkte aus Merino so viele funktionelle Eigenschaften haben, muss man sich eine Merinofaser genauer anschauen.

 

Hoher Tragekomfort

Merinoschafe sind eine Feinwoll-Schafrasse, deren Wollkleid aus vielen extrem dünnen Wollfasern besteht, genauer aus dem Protein Keratin, das ebenso in unseren Haaren, Haut und Nägeln enthalten ist. Eine einzelne Merinofaser der allerfeinsten Sorte misst nur etwa 16 Mikrometer, also 16 tausendstel Millimeter. (Im Vergleich dazu misst ein menschliches Kopfhaar etwa 100 Mikrometer).

Eine Merinowollfaser ist im Durchschnitt 17 bis 19 Mikrometer dick. Eine herkömmliche Schafwollfaser ist in der Regel doppelt so dick wie eine Merinofaser (siehe Abbildung unten). Durch diese Feinheit sind Merinofasern extrem flexibel und biegsam und haben einen geringen Abstand zu unserer Haut. Dadurch fühlt sich Merinokleidung besonders weich und angenehm an, im Vergleich zur oftmals kratzigen und rauen Wolle.

 

Fasern_Merino_Polyester_Wolle

 

Feuchtigkeitsregulierend und schnelltrocknend

Bei Aktivitäten schwitzen wir und unser Körper gibt Feuchtigkeit nach außen ab. Die Fasern von Funktionsbekleidung sollten den Schweiß aufnehmen und nach außen hin ableiten, wo der Wasserdampf dann verdunsten kann. Im Gegensatz zu synthetischen Fasern, die kaum atmungsaktiv sind, leistet die Merinofaser hier ein enorm gutes Feuchtigkeitsmanagement. Sie absorbiert die Körperfeuchtigkeit, noch bevor sie zu Schweiß kondensieren kann und leitet sie nach außen hin ab, wo sie verdunstet. Bis zu 30 Prozent des Eigengewichts kann die Merinofaser aufnehmen, ohne dass ein Nässegefühl entsteht und das Bekleidungsteil klamm wird. Eine weitere positive Eigenschaft der dünnen Faser ist, dass sie sich kaum mit Feuchtigkeit vollsaugt und dadurch schneller trocknet als dicke Wollfasern.

 

Merinobekleidung ist geruchsneutral

Die schnell trocknenden Merinofasern bieten einen relativ ungeeigneten Lebensraum für Bakterien. Weil diese Feuchtigkeit bevorzugen, können die Bakterien auf Merinofasern nur schlecht wachsen und sich kaum vermehren. Zudem baut das Protein Keratin geruchsbildende Bakterien ab. Während bei Kunstfasern oft ein chemischer Überzug das Wachstum von Bakterien verhindert, sind Merinofasern auf natürliche Art und Weise antibakteriell.

Bist Du mehrere Tage aktiv unterwegs, ist Merinobekleidung ideal! Selbst bei mehrmaligem Tragen halten die Produkte, was sie versprechen: Die Bekleidung trocknet schnell, stinkt nicht und muss daher nicht so oft gewaschen werden. Das ist nicht nur für Dich super angenehm, Du schonst damit gleichzeitig auch die Umwelt.

 

Wärmende und kühlende Funktion

Bei sportlichen Aktivitäten im Winter ist Unterwäsche aus Merino ein idealer Baselayer. Merinowolle ist wärmeisolierend, weil sich zwischen den vielen dünnen und gekräuselten Wollfasern Millionen kleiner Luftpolster befinden, die keine Körperwärme nach außen dringen lassen. Bis zu 85 Prozent Luft kann dabei in nur einer Faser enthalten sein. Zusätzlich wirkt eine Merinowollschicht auf der Haut wie ein thermochemischer Wärmespeicher. Das bedeutet, dass die Fasern die aus der Umgebung aufgenommene Feuchtigkeit in Wärme umwandeln (sogenannte Sorptionswärme).

Bei warmen Außentemperaturen überzeugt Merinowolle durch ihre kühlende Eigenschaft. Sobald der Körper aufgrund der Außentemperatur oder erhöhter Aktivität schwitzt, leiten die dünnen Fasern den Wasserdampf vom Körper weg.

 

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All diese Eigenschaften machen die Merinowolle zu einem echten Allrounder und zu einem heiß begehrten Rohstoff in der Textilindustrie. In Punkto Tierschutz ist die Merinowollproduktion teils umstritten. Ganz besonders heikel ist das sogenannte „Mulesing“. Dabei wird ein Teil der Haut am Schwanz des Merinoschafes weggeschnitten, um einen Fliegenmadenbefall des Tieres zu verhindern. Diese können eine Krankheit übertragen, die jährlich Millionen Tieren das Leben kostet.

Als Endverbraucher und Konsument solltest Du Dich daher immer informieren, woher die Merinowolle stammt. Führende Hersteller in diesem Segment gehen bereits sehr transparent mit diesem Thema um. Icebreaker beispielsweise stellt auf seiner Homepage Farmer und Tiere vor, gibt Einblicke in die Produktion und garantiert einen artgerechten Umgang mit den Merinoschafen. Icebreaker bezieht die Wolle aus Neuseeland, Ortovox aus Tasmanien.

 

MERINO BEKLEIDUNG RICHTIG WASCHEN


Auch wenn Merinobekleidung durch seine geruchsneutrale Funktion lange Zeit ohne waschen auskommt, muss es früher oder später wohl doch in die Waschmaschine. Und das ist einfacher, als viele denken – keine Handwäsche, kein besonderes Waschmittel! Merinowolle ist pflegeleicht und das Waschen gelingt jedem, der ein paar Hinweise beachtet.

Wie auch bei anderen Funktionstextilien gilt auch bei Merinowolle, die Waschanleitung des Herstellers zu beachten, denn Außnahmen gibt es immer. Wenn Du beispielsweise eine Merinojacke waschen möchtest, die mit einer DWR-Schicht (durable water repellent) behandelt ist, solltest Du beispielsweise auch die richtige Imprägnierung beachten. Ansonsten kannst Du jedes Merino Kleidungsstück problemlos bei 30° – 40° Celsius in der Maschine waschen.

Besondere Pflege spenden entsprechende Wollwaschmittel, die ph-neutral und ohne Protease sind. Von Bleichmitteln oder Weichspüler solltest Du besser die Finger lassen. Da Merinowolle ohnehin sehr schnell trocknet, kannst Du auf einen Trockner verzichten. Schonender und mindestens genauso schnell ist das Trocknen an der Luft. Damit Dein Merinoteil auch dauerhaft kuschelig weich auf der Haut liegt, empfehlen manche Hersteller, Merinobekleidung zusammen mit einem eher rauen Teil, wie beispielsweise einer Jeans zu waschen. Dadurch wird das sogenannte „Pilling“ verhindert. Dabei fusseln kurze Wollfasern zusammen und verfilzen. Indem die Merinowolle aber in der Waschmaschine zusammen mit einem rauen Stoff gewaschen wird, werden die verklumpten Wollteilchen abgerieben.

 

MERINOBEKLEIDUNG BEI SPORT CONRAD


Egal ob Merinobekleidung als Baselayer, 2nd Layer oder als Outerwear getragen wird, die Vorteile der Merinowolle finden sich in allen Bereichen wieder. In unserem Webshop gibt es unter anderem Merino Unterwäsche und Socken, Merino Pullover, Shirts oder Jacken der Marken Icebreaker, Ortovox, Kari TraaWe Norwegians und vielen mehr.

 

Eigenschaften von Merinowolle zusammengefasst:

atmungsaktiv, weil Körperfeuchtigkeit schnell absorbiert wird
antistatisch: kein Aufladen mehr
geruchsneutral, weil antibakteriell
schnelltrocknend, wegen dünner Faserstruktur
wärmeisolierend, dank kleiner Luftpolster
 schwerer entflammbar als Kunstfasern
nachwachsender, biologischer Rohstoff
Faseroberfläche ist schmutzabweisend
bietet natürlichen UV-Schutz
pflegeleicht

 

Interessante Facts rund um Merino

  • Der Wollanteil eines geschorenen Merinoschafes wiegt bis zu 5 kg
  • 2,5 kg davon sind Schmutz, Pflanzenreste oder Wollfett, der Rest ist reine Merinowolle
  • ein Schaf gibt durchschnittlich pro Jahr 2 bis 4 kg Wolle
  • aus einem Merinoschaf werden pro Schur 5 Icebreaker Pullover hergestellt
  • die Rasse „Merinolandschaf“ zählt zur häufigsten Schafrasse in Deutschland

 

Fotos: Icebreaker / ORTOVOX