Die schwedische Marke Hestra ist weltweit bekannt für langlebige Handschuhe höchster Qualität. Was außerhalb Schwedens nur wenige wissen: Hestra ist zugleich der Name der kleinen Gemeinde in Südschweden, in der Hestra gegründet wurde. Anton Magnusson, Urenkel des Firmengründers und Hestra CEO, führt das Unternehmen in die Zukunft. Hier berichtet er, warum die Marke auf Beständigkeit setzt und auch zukünftig untrennbar mit ihrer Heimatgemeinde verbunden bleibt.
Familienunternehmen mit Tradition, Handwerkskunst und Vision
Der skandinavische Spätsommer grüßt an diesem Morgen mit eisblauem Himmel über den dichten Wäldern Smålands. Anton Magnusson ist bester Laune. Gleich nach dem Gespräch wird er sich zusammen mit seinem Bruder Jonas auf die Bikes schwingen und sich die Trails im Mountainresort Isaberg hinunterstürzen. Anton und Jonas gehören zur vierten Generation der Familie Magnusson, die die Geschicke des Handschuhspezialisten Hestra lenkt. Isaberg liegt nur zwei Kilometer von Hestra entfernt, der kleinen Gemeinde, deren Namen Magnussons Familie mit der Firma weltbekannt gemacht hat. Nach Isaberg kommen beide regelmäßig. Um zu Grillen, zu Biken, im Winter Ski zu fahren oder einfach eine gute Zeit als Familie zu haben.

Anton und Jonas Magnusson führen das Familienunternehmen Hestra in vierter Generation. Foto: Sport Conrad
Familientradition seit 1936
Familie. Sie spielt bei Hestra eine zentrale Rolle, denn Hestra ist Familienbetrieb durch und durch. Seit 1936 Antons Urgroßvater, der Bauer Martin Magnusson, beschloss, eine Werkstatt in seinem Bauernhaus einzurichten. Um die eigene Familie zu ernähren, begann er, Arbeitshandschuhe aus dickem Rindsleder und Wollfilz für die Holzfäller aus der Region zu fertigen. Als das Skigebiet Isaberg eröffnet wurde, erkannte Martin Magnusson das Potenzial für neue Absatzmöglichkeiten. 1941 brachte er den ersten wasserdichten Leder-Skihandschuh auf den Markt. Bald schloss Hestra Sponsorenverträge mit dem schwedischen Ski Team, eine Zusammenarbeit, die Hestra über Top-Athlet:innen zu weltweiter Bekanntheit verhalf.
Mehr als nur Skihandschuhe
Damals wie heute kennt man Hestra vor allem für erstklassige Skihandschuhe. Das will Anton Magnusson ändern: „Für uns ist es wichtig, als Handschuhmarke über das ganze Jahr hinweg wahrgenommen zu werden und nicht allein als Skihandschuhmarke.“
Denn neben Sporthandschuhen produziert Hestra auch (Garten-)Arbeitshandschuhe und modische Modelle. Egal aus welchem Geschäftsbereich, es zählen „Qualität, Passform, Material und Haltbarkeit“, betont Anton Magnusson. „Alles muss den Hestra-Standards entsprechen und auf nachhaltige Weise produziert werden.“
Um die selbst auferlegten Hestra-Standards zu gewährleisten, behält man im Familienbetrieb möglichst viel in eigener Hand. Hestra besitzt die Produktionsstätten in China, Vietnam, Kambodscha und Ungarn zu 50 – 100 Prozent.
„Wir kontrollieren also einen großen Teil unserer Lieferkette. Das macht uns unter Handschuhherstellern ziemlich einzigartig“, berichtet Anton Magnusson nicht ohne Stolz. Dies ermögliche neben der Kontrolle auch die bessere Planbarkeit der Produktion. Zudem habe man einen direkten Einfluss auf Umweltauswirkungen, Arbeitsbedingungen und die Qualität.
Ob Sporthandschuhe, Gartenhandschuhe oder modische Modelle – bei Hestra stehen Qualität, Passform, Material und Haltbarkeit stets im Fokus. Foto: Sport Conrad
Handschuhmacher-DNA wird fortgeführt
Anton Magnusson fühlt sich in der Produktion zuhause. Vor seiner Rolle als CEO hatte er die Leitung der Produktion in Ungarn inne und war zudem mit dem Aufbau der Produktion in Vietnam betraut. Dabei half ihm sein Fachwissen. Denn das Handschuhmacher-Handwerk haben Anton und sein Cousin Niklas von der Pike auf bei einem der letzten Handschuhmacher Schwedens gelernt. Heute sind sie selbst die einzigen zertifizierten Handschuhmacher im Land. Weltweit gibt es davon nur noch wenige Dutzend. Dabei kommt die Handschuhherstellung nach wie vor nicht ohne Handarbeit aus. Das liege vor allem am Rohstoff Leder, aus dem immer noch viele der Handschuhe bei Hestra hergestellt werden, erklärt Anton Magnusson:
„Die Schwierigkeit ist, dass die Materialien sehr dehnbar und flexibel sind. Außerdem ist jedes Leder einzigartig. Man braucht also die Augen eines Menschen, um es für die Produktion zu prüfen.“
Die Konzentration auf die eigene Expertise und die eigenen Stärken erwies sich für Hestra als Erfolgsrezept. Trotz unsicherer Marktbedingungen durch Pandemie und Ukraine-Krieg schloss man 2023 das bislang beste Geschäftsjahr ab. Anton Magnusson ist überzeugt, dass Hestra gerade in unsicheren Zeiten von den Stärken als Familienunternehmen profitiert:
„Langfristige Partnerschaften mit Lieferanten unseres Vertrauens, die direkte Übernahme von Fabriken, die uns Kontrolle über unsere Produktion gibt. Die finanzielle Stabilität und die langfristige Vision. Das Wissen und die Handwerkskunst, die wir über Jahrzehnte aufgebaut haben und die starke Beziehung zu unseren Mitarbeitenden. Diese Stärken halten uns auch in schwierigen Zeiten stabil und erfolgreich.“

Um die selbst auferlegten Hestra-Standards zu gewährleisten, bleibt im Familienbetrieb vieles in eigener Hand. Foto: Sport Conrad
Langfristige Partnerschaften und Familienwerte bei Hestra
Auf Stabilität setzt man bei Hestra auch bei Handelspartnern wie Sport Conrad, betonte Anton Magnusson:
„Es macht Freude, solch langfristige Beziehungen zu führen. Gerade, wenn der Eigentümer in das Geschäft eingebunden ist, so wie Hans. Wir treffen uns mindestens einmal im Jahr. Diese persönlichen Beziehungen zu besonders spezialisierten Einzelhändlern gibt es leider nicht mehr oft. Das Geschäft mit Handelsketten ist zwar auch lukrativ, aber macht weniger Spaß.“
Die besondere Langfristigkeit der Perspektive eines Familienunternehmens ist etwas, was man nur schwer erlernen kann. Sie wird über Generationen gelebt und über Jahre weitergegeben, resümiert Anton:
„Ich habe jetzt fast 15 Jahre mit meinem Vater zusammengearbeitet. Mit meinem Großvater immerhin fünf Jahre. Dabei habe ich viel gelernt, was ich in die Zukunft mitnehmen kann. Wir haben nicht nur monatelange Überschneidungen, wie es bei einem normalen Mitarbeitenden hier der Fall ist, sondern jahrelange. Dabei erhält man viel mehr überliefertes Wissen, das man nutzen kann.“
Und so manche Gewissheit: „Wir konzentrieren uns allein auf die Qualität der Marke, dabei ausschließlich auf Handschuhe. Wir haben festgesetzt, dass wir nichts anderes herstellen werden als Handschuhe. Und unser Firmenhauptsitz wird immer in Hestra bleiben. Das ist in Stein gemeißelt.“
Damit ist wohl vorerst alles gesagt. Zeit für Anton Magnusson, sich endlich die Fahrradhandschuhe überzustreifen und auf den Sattel zu steigen.

Hestra bietet weit mehr als Skihandschuhe – auch Fahrradhandschuhe und zahlreiche andere Modelle. Immer mit dem Ziel, höchsten Ansprüchen gerecht zu werden. Foto: Sport Conrad
Über Hestra
Vor 88 Jahren nähte Firmengründer Martin Magnusson das erste Paar Handschuhe in Hestra. Heute produzieren rund 868 Angestellte weltweit 2,3 Millionen Paare in 400 Modellen, die in über 40 Ländern erhältlich sind. 69 Prozent des verwendeten Leders stammen von Mitgliedern der Leather Working Group, die hohe Standards hinsichtlich der Arbeitsbedingungen und des Einsatzes von Chemikalien setzt.
Im Jahr 2023 wurden in den firmeneigenen Reparaturzentren in Hestra, Stockholm, Ungarn und den USA 1.200 Handschuhpaare repariert.
Über das Mountainresort Isaberg
Das Mountain Resort Isaberg blickt auf eine hundertjährige Geschichte zurück. Im Winter dreht sich in Isaberg alles um den Skisport. Südschwedens größtes Skigebiet hat acht Lifte und elf Pisten für die ganze Familie. Während des restlichen Jahres toben sich die Besucher:innen auf 20 Mountainbike-Strecken oder dem größten Pumptrack Skandinaviens aus. Abenteuer für alle Altersklassen bietet Isaberg mit einer Sommer-Rodelbahn, einem Hochseilgarten, Golfplatz sowie zahlreicher Wassersportaktivitäten. Zum Entspannen nach all der Action lädt ein Saunafloß ein.
