Bike Protektoren: Worauf es wirklich ankommt

Was der Rückenprotektor im Winter ist, ist der Bikeprotektor im Sommer! Kaum ein Downhill und Enduro Biker sollte sich noch ohne Protektoren, Helm und Schoner auf den Trail wagen. Aber auch der „normale“ All Mountainbiker und Trailbiker sollte mit einem Helm und einer entsprechenden Schutzausrüstung einem Sturz vorbeugen. Denn was gibt es wichtigeres, als unseren Körper und Kopf zu schützen?

Neben der Frage, mit welchen Protektoren Du Dich richtig ausstattest und so bei einem Sturz hoffentlich unverletzt bleibst, erfährst Du bei uns Folgendes:

 

 

WELCHE FUNKTION HABEN BIKE PROTEKTOREN UND SCHONER?


Bei einem Sturz oder einem Aufprall sollen die Protektoren verschiedene Körperteile schützen. Die Kräfte, die bei einem Sturz entstehen, werden durch Protektoren und Schoner an den entsprechenden Körperstellen über eine größere Fläche verteilt, die Aufprallenergie wird somit gedämpft. Als „effektive Schutzfläche“ verhindern sie zum einen Schürfwunden und zum anderen, dass Du durch spitze Gegenstände – vor allem Steine und Felsen –  verletzt wirst. Protektoren Jacken und -Westen haben zugleich noch die Funktion, die Wirbelsäule zu stabilisieren.

 

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KEINE PRÜFNORM FÜR BIKE-SCHUTZBEKLEIDUNG


Anders als bei Rückenprotektoren für den Wintersport gibt es für Bike-Schutzbekleidung keine Prüfnorm. Daher werden alle Rücken- und Knieprotektoren für’s Mountainbiken nach der aktuellen Motorrad-Norm EN 1621-2 geprüft, die seit Juli 2014 gültig ist. Bei der Prüfung wird der Protektor einer Stoßdämpfung unterzogen. Dabei wird die Aufprallenergie gemessen, die trotz des Protektors den menschlichen Körper erreicht. Je kleiner dieser Wert ist, desto besser ist der Schutz des Protektors.

Die Norm unterteilt zwei Schutzlevel:

Schutzlevel 1: Bei fünf Schlägen dürfen nicht mehr als durchschnittlich 18 kN auf den Körper einwirken, und kein Einzelschlag darf über 24 kN sein.

Schutzlevel 2: Die Restkraft darf nicht mehr als durchschnittlich 9kN sein, der Einzelschlag darf 12 kN nicht überschreiten.

 

AUS WELCHEN MATERIALIEN WIRD BIKE-SCHUTZBEKLEIDUNG HERGESTELLT?


Gut geschützt ohne große Einschränkung – Softprotektoren

 

Bei Soft-Protektoren werden flexible und leichte Materialien verwendet. Sie sind sowohl bei All Mountain und Trail Fahrern sehr beliebt, als auch bei Downhill und Enduro Fahrern, da sie neben ihrer hervorragenden Schutzfunktion auch große Bewegungsfreiheit bieten und sich gut an die jeweiligen Körperstellen, an der sie getragen werden, anpassen. Softprotektoren bestehen aus Kunststoffschäumen wie Polyurethan (PU) oder Ethylenvinylacetat (EVA), die jeweils in unterschiedlichen Schichten übereinander gelegt werden, um so Protektor und Schoner noch leichter zu machen.

Sogenannte Schaummaterialien geben ihnen Flexibilität, da sie durch die Körpertemperatur warm und damit weich werden. Wenn die Schoner oder der Protektor ausgezogen werden, nehmen sie wieder ihre ursprüngliche Form an. Dies geschieht auch bei einem Sturz: die Schaummaterialien dämpfen die Aufprallenergie und verändern kurzzeitig ihre Struktur. Danach erlangt der Protektor wieder die anfängliche Form. Dieses Zurückkehren in die Ursprungsform nennt man Mehrschlagfähigkeit.

Diese ist vor allem ein Kriterium für sehr hochwertige Protektoren und Schoner. Es gibt aber auch Protektoren und Schoner, wie beispielsweise aus Polysterol, die meist nach nur einem Sturz ersetzt werden müssen. Bei leichten Stürzen und minimalem Bodenkontakt bleibt das Material weich und dämpft somit sacht. Kommt es hingegen zu einem heftigen Sturz, verhärtet sich das Material, um die Aufprallenergie schnell zu absorbieren.

 
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Optimaler Schutz für steile Abfahrten – Hartschalenprotektoren

 

Sie bestehen aus hartem, wenig elastischem Kunststoff (Polypropylen (PP) oder Polycarbonat (PC)) und können daher die Aufprallenergie bei einem Sturz schlecht absorbieren und kaum dämpfen. Sie haben jedoch eine hohe Durchdringungsfestigkeit und schützen Dich so vor spitzen Gegenständen wie Felsen und Steinen.

Der Hartschalenprotektor ist aufgrund des verwendeten Materials schwerer als der Soft-Protektor. Ein Knieschoner aus Hartschale beispielsweise leitet die Kräfte viel direkter ans Knie weiter und schützt meist nur, wenn dahinter ein dicker und hochwertiger Schaumstoff vorhanden ist. Hartschalenprotektoren sind beim Biken aufgrund ihrer steifen Form weniger beliebt wie Softprotektoren und werden meist eher von Downhill Fahrern getragen. Da sie größtenteils nur abwärts fahren und mit hohem Tempo in steilem Gelände oder in Bikeparks unterwegs sind, ist hier das Risiko eines heftigen Sturzes groß. Daher gilt es, die empfindlichen Knie- und Ellbogengelenke optimal zu schützen.

 

ARTEN VON PROTEKTOREN


Stauraum inklusive Schutz – Protektor-Rucksäcke

 

Wie unter den Rückenprotektoren für den Wintersport gibt es beim Mountainbiken auch den Rucksack inklusive Protektor. Neben seiner schützenden und stabilisierenden Funktion ist er besonders praktisch, da Du darin kleinere Dinge wie Fahrradhandschuhe oder Deine Trinkflasche verstauen kannst. Viele Rucksäcke bieten zudem Befestigungsmöglichkeiten für Helm und Protektoren. Im Schnitt wiegt ein solcher Rucksack etwa 1300 Gramm, ist jedoch auch wesentlich teurer als herkömmliche Touren-Modelle. Rucksäcke inklusive Protektor gibt es in verschiedenen Größen. Daher ist es wichtig, einen zu nehmen, der Deiner Körpergröße entspricht. Der Schutz von den Halswirbeln bis zum Steißbein sollte aber auf jeden Fall gewährleistet sein. Deshalb ist es auch so wichtig, dass der Rucksack eine körpernahe Passform hat, um besten Tragekomfort zu gewährleisten und bei einem Sturz ein Verrutschen zu verhindern. Bei vielen Modellen kann der Protektor auch herausgenommen und lediglich der Rucksack mitgenommen werden.

 

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Auch Komperdell hat in dem Tour Pack Rucksack einen Protektor mit einer Rucksackfunktion vereint, inklusive einem 2 Liter Trinksystem. Dieser ist mit Mehrkammern oder Mehrlagen aufgebaut und aus einer doppelt-verdichteten Schaumstofffüllung (Dual Densitiy Foam). Komperdell hat das sog. Protektor Gehäuse mit einem Tragesystem versehen und essenzielle Details hinzugefügt, die zum Transport wichtiger Mountainbike Utensilien dienen. Der Tour Pack hat beispielsweise ein Brillenfach, eine Werkzeugtasche und Zippverschlüsse zur Volumenvergrößerung. Ganz neu ist auch, dass der Tour Pack noch um einen Brustbein Protektor erweitert werden kann, der am oberen Brustgurt befestigt wird.

 

Vorteile des Protektor-Rucksacks:
+
Schutz und Stabilisation
+ Stauraum
+ Befestigungsmöglichkeiten, z.B. für den Helm

 

 

Leichter und flexibler Schutz – Protektoren-Westen

 

Hier ist der Rückenprotektor bereits in der Weste integriert. Diese ist meist 2-lagig, wirkt isolierend und hat einen hohen Kragen, der zugleich windabweisend ist. Sie lässt sich aufgrund ihres leichten und flexiblen Materials leicht zusammenrollen und problemlos mitnehmen.

 

Geschützt, aber bequem – Protektoren-Shirts

 

Das Protektoren Shirt hat den Vorteil, dass es bequem zu tragen ist und sich hervorragend der Körperform anpasst. Es wird als First-Layer direkt auf der Haut getragen und ähnelt eher einem MTB Trikot anstatt einer Protektoren Weste oder Jacke. In ihr befinden sich keine Hartschalenprotektoren, sondern Gelenk-Protektoren im Schulterbereich oder ein dünnes Padding auf der Brust. Die verwendeten Pads sind temperaturbeständig und haben ein gutes Dämpfungsverhalten. Das Shirt hat eine schmale Schnittform, einen hohen Kragen und einen elastischen Bund mit Silikonisierung, um besseren Halt zu garantieren und ein Verrutschen zu verhindern. Es ist meist aus atmungsaktivem und schnell trocknendem Material hergestellt.

Bei den Shirts ist jedoch zu beachten, dass viele keinen Frontschutz bieten oder nur billige Schaumstoffpolster verwendet werden, die die Aufprallenergie schlecht absorbieren können. Da das Protektoren Shirt mehr auf Tragekomfort als auf maximale Schutzfunktion ausgelegt ist, sollten vor allem Downhillbiker eher zu Protektoren Jacken und Westen greifen. (Downhillfahrer haben meist vollgefederte Bikes und heizen mit hoher Geschwindigkeit durch steiles Gelände. Zuverlässige Schutzbekleidung ist hier also unumgänglich.)

 

Vor- und Nachteile des Protektor-Shirts:
+
 Hoher Tragekomfort und sehr gute Passform
Mangelnde Schutzfunktion

 

Maximaler Schutz für das nächste Downhillrennen – Protektoren-Jacken

 

Auch sie empfiehlt sich vor allem für Downhillfahrer. Die Protektor-Jacke trägt sich oft etwas sperrig und unbequem, bietet dafür aber maximale Schutzfunktion, da Bereiche wie Ellbogen, Schultern, Rücken und Brust zusätzlich mit Kunststoff verstärkt sind. Wichtig hierbei ist vor allem, dass die Stellen unter den Kunststoffplatten gut gepolstert sind, um Schürfwunden zu vermeiden. Außerdem solltest Du neben richtiger Passform zudem darauf achten, dass keine Nähte und Stellen aufreiben oder drücken. Beim Kauf ist es ratsam, zwei verschiedene Größen zu probieren, um die perfekte Jacke für Dich zu finden. Sie sollte bis zum Steißbein reichen, jedoch nicht so lange sein, als dass sie beim Fahren auf dem Sattel aufliegt. Mittlerweile gibt es auch spezielle Protektorenjacken für Frauen, da sie schmälere Schultern, eine schlankere Taille und weniger lange Arme haben. Daher haben diese Jacken kürzere und schmälere Schnitte.

 

Vor- und Nachteile der Protektoren-Jacke:
Maximaler Schutz
+ Kunststoffverstärkungen an den Ellbogen und im Schulter – und
Brustbereich
 oft sperrig beim Tragen

 
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Wichtiger Schutz für Deine Gelenke – Knie- und Ellbogenschoner

 

Jeder Biker weiß, wie schmerzhaft und langwierig eine Verletzung am Knie oder am Ellbogen sein kann und dass das meist bedeutet, eine längere Auszeit vom Biken nehmen zu müssen. Die Bereiche Oberschenkel, Knie und Unterschenkel werden beim Radfahren am meisten beansprucht. Daher gilt es, diese bestmöglich zu schützen, ohne dabei ihre Beweglichkeit einzuschränken. Ein guter Knieschoner sollte seitlich das Kniegelenk bedecken und nach unten großflächig über die Kniescheibe reichen, um maximale Protektion sicherzustellen. Für abwärtsorientierte MTB Fahrer und Trailbiker empfehlen sich dünne Softprotektoren, die für die Abfahrt schnell an- und ausgezogen werden können. Da sie paarweise meist zwischen 300 und 600 Gramm wiegen, können sie problemlos im Rucksack verstaut werden und stellen bei steilen Anstiegen keine schwere Last dar.

Da Downhillfahrer mit hohen Geschwindigkeiten durch grobes Gelände jagen und die Sturzgefahr dabei relativ groß ist, sollten sie besser zu dickeren Protektoren mit Kunststoffkappen greifen. Diese gibt es für das Knie oder auch als Knie-Schienbein-Kombi. Die etwas günstigeren Modelle werden nicht übergezogen, sondern lediglich angelegt und mit Klettverschlüssen befestigt. Daher lassen sie sich zwar schneller anziehen, die grundlegenden Nachteile dieser Schoner mit Klettverschluss sind aber, dass sie leicht verrutschen oder an den Kniekehlen und Armbeugen einschneiden. Zudem sind sie oft unter der Schutzfläche unzureichend gepolstert, sodass die Gefahr besteht, dass Du Dir Schürfwunden zuziehst.

Tipp: Für das Anziehen der Knieschoner ist es sinnvoll, die Schutzfläche zunächst nach hinten zu drehen, da sie sich so einfacher über Fuß und Ferse ziehen lassen.

Die Knie – und Ellbogenschoner der VPD Serie von POC beispielsweise sind sehr flexibel, haben ein effizientes Ventilationssystem und dank hochfesten Polyamidfasern einen sehr guten Abriebschutz. Das VPD Material passt sich sehr gut an den Körper an und verhärtet bei einem Sturz, um den Fahrer zu schützen.

 

Vor- und Nachteile von Knie- und Ellbogenschonern:
+ können problemlos im Rucksack mitgenommen und verstaut werden
+ Schnelles An- und Ausziehen
– Billige Schoner mit Klettverschluss schränken Beweglichkeit ein,  und können verrutschen oder einschneiden

 
 


Für mehr Grip und besseren Schutz vor Wetter und Sturz – Handschuhe

 

Genau wie der Helm gehören MTB Handschuhe zur Grundausstattung eines sportlichen Radfahrers. Denn bei einem Sturz mit dem Bike werden die Hände nur selten verschont. Daher sollen sie Dich vor schmerzhaften Schürfwunden, Kälte und Sonne bewahren. In schwierigem Gelände oder auf verwachsenen Trails im Wald schützen die Handschuhe zudem vor unliebsamen Dornen und Ästen. Außerdem ermöglichen sie Dir guten Grip am Lenker, solltest Du kalte oder schwitzige Finger haben. Reichen im Sommer oft kurze Handschuhe, so empfehlen sich bei kühleren Temperaturen eher Langfingerhandschuhe. Je nach Belieben sind diese dann oft dünn, um mit mehr Gefühl Schalten und Lenken zu können. Wer jedoch maximalen Schutz für seine Hände möchte, entscheidet sich für Protektorenhandschuhe. Diese haben an den Fingerknöcheln und am Handrücken kleine Gummiprotektoren, die vor Abschürfungen und Prellungen schützen.

 
Vorteile der Protektorenhandschuhe: 
+ Guter Grip am Lenker
+ Schutz von Handrücken  und Fingern vor Schürfwunden und Prellungen

 

 

RaceFace

 

PFLEGE UND LEBENSDAUER VON PROTEKTOREN


Da Du in Deinem Protektor sicherlich das ein oder andere Mal schwitzen wirst, solltest Du ihn zwischenzeitlich waschen. Bei einigen Herstellern muss die Schutzfläche vor dem Waschgang entnommen werden. Ansonsten lassen sich die meisten Protektoren per Handwäsche oder bei 30 Grad in der Waschmaschine waschen.

Ähnlich wie bei Helmen, empfiehlt es sich auch für Rückenprotektoren, sie nach einem Sturz auszutauschen, da die Schutzwirkung deutlich verringert wird. Der Hersteller Evoc beispielsweise bietet seinen Kunden an, gebrochene oder dauerhaft deformierte EVOC Liteshield Protektoren zurückzuschicken und sie kostenlos zu ersetzen.

 

Auch wenn Protektoren Dich beim Biken nicht vor Stürzen und allen Verletzungen bewahren können und vielleicht oft hinderlich beim Fahren sind, können sie dennoch Schlimmeres verhindern. Denn mit einem größeren Sicherheitsgefühl machen auch Deine Rides mehr Spaß!