Alpencross mit dem Gravelbike

Alpencross mit dem Gravelbike: Was du für deine Alpenüberquerung wissen musst

Ein Traum für viele: einmal mit dem Gravelbike die Alpen überqueren. Ob geführt oder selbst organisiert, ob Dolomiten oder Schweiz, ob leicht oder anspruchsvoll – die Möglichkeiten für eine Graveltour in den Alpen sind so vielfältig wie die Routen selbst. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Aspekte du bei der Planung deines Alpencross mit dem Gravelbike beachten solltest: Von der Routenwahl über die richtige Vorbereitung und Bike-Ausstattung bis hin zu Tipps für Übernachtung und Gruppentouren.

 

Inhalt

 
 
Gravelgruppe unterwegs beim Alpencrossing
Je besser du vorbereitet bist, desto entspannter wird die Tour verlaufen. Foto: Claudia Klingelhöfer
 

Planung und Vorbereitung des Alpencross

Ein Alpencross mit dem Gravelbike erfordert eine detaillierte Planung:

  • Wie viele Tage soll die Tour dauern?
  • Wie viele Kilometer und Höhenmeter traust du dir pro Tag zu?
  • Wer fährt mit?
  • Wo soll übernachtet werden? (Wichtigste Frage: Soll ein eigenes Zelt mitgenommen werden)
  • Soll das Gepäck selbst transportiert werden?
  • Gibt es Bike-Shuttles oder Bahnoptionen für Rückweg oder Abkürzungen?

Je besser du vorbereitet bist, desto entspannter wird die Tour. Das Beste an der Planung: Fang einfach schon im Winter an, denn das motiviert auch für das Ausdauer-/Fitnesstraining. Beim Zeitraum für deinen Alpencross ist zu Bedenken: In der Nebensaison (Mai/Juni oder September/Oktober) sind die Strecken weniger frequentiert, aber nicht alle Unterkünfte geöffnet.

Im Juli/August sind Reservierungen für Unterkünfte im Vorfeld wichtig. Seid ihr als kleine Gruppe mit Zelten unterwegs, ist das nicht unbedingt nötig, da die Campingplätze für Zelte auch meist in der Hochsaison noch Platz bieten. In der Nebensaison kann noch bzw. schon Schnee in den höheren Lagen liegen.  

 

Routenwahl: Outdooractive, Komoot & Klassiker Routen

Die Wahl der richtigen Route ist entscheidend für deinen Erfolg und Spaß am Alpencross. Dabei gibt es mit dem Gravelbike noch gar keine “klassischen” Routen, wie mit dem MTB oder dem Rennrad. Um sich bei der eigenen Planung Arbeit zu ersparen, kann es sinnvoll sein, eine MTB-Runde anzupassen, schwere Trails durch Schotterwege zu ersetzen oder umgekehrt bei Rennradrouten große Straßen zu umfahren. Wer selbst plant, wird vermutlich um eine eigene Planung in Plattformen wie Outdooractive oder Komoot nicht drum rumkommen. Der große Vorteil: Die Tagesumfänge passt ihr an das eigene Leistungslevel an. 

Insgesamt lassen sich Alpenüberquerungen mit dem Gravel sehr gut in vier Tagen bewältigen. Dabei gilt natürlich die Devise: Länger geht immer.  

Beliebte Routen für einen Gravel Alpencross führen beispielsweise:

  • Von Garmisch zum Gardasee
  • Von München durch die Dolomiten (z. B. von Brixen Richtung Cortina) an den Gardasee oder sogar nach Venedig
  • Durch Graubünden/Engadin durch die Schweiz an den Comer See
  • Über den Reschenpass nach Südtirol 
  • An die Adria

Bei der Einschätzung der Schwierigkeit ist eine genaue Auseinandersetzung mit der Strecke nötig. Die Höhenmeter- und Längen-Angabe ist trügerisch, denn auf grobem Schotter können sich 500 Höhenmeter schnell wie 1000 Höhenmeter auf Asphalt anfühlen. Daher ist es ratsam, vor dem Alpencross schon Erfahrung mit der Routenplanung gesammelt zu haben.

 

Das passende Gravelbike

Ein solides Gravelbike ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Alpenüberquerung. Achte auf:

  • Robuste Laufräder mit eher breiten Reifen (38 mm aufwärts) 
  • Zuverlässige Schaltung mit bergtauglicher Übersetzung (z. B. 1×11 mit 36er Kettenblatt vorne und 11–42er Kassette)
  • Bikepacking-Taschen oder Gepäckträger je nach Stil
  • Scheibenbremsen 

 

Einige Passagen führen über lose Schotterstraßen, kurze Tragepassagen sind nicht auszuschließen. Deshalb: Weniger Gewicht ist mehr Komfort.

Ganz wichtig ist dabei: Lerne dein Rad vor der Tour richtig gut kennen: Weißt du, wie du die gröbsten Pannen behebst? Weißt du, wie es sich mit den vollgepackten Taschen fährt? Und ist die Übersetzung deiner Schaltung nach deinem Geschmack? Nutze also eine Probeausfahrt, die simuliert, wie du bei deinem Alpencross unterwegs sein wirst.

 
Das passende Gravelbike vor einem See während der Tour.
Mache dich vor der Tour mit deinem Fahrrad vertraut, um Komplikationen zu vermeiden. Foto: Claudia Klingelhöfer
 

Training

“Alpencrosser werden im Winter gemacht” – dieser Satz soll dir sagen, dass du im Winter vor deiner Tour anfängst, deine Ausdauer aufzubauen. Konsistenz und eine Kombination aus Ausdauereinheiten (egal ob auf dem Rad, beim Laufen oder Schwimmen) und Kraftraininig (das eigene Körpergewicht ist dabei völlig ausreichend) sind dabei der Schlüssel zum Erfolg. Im Frühjahr kommen dann die ersten längeren Ausfahrten mit dem Gravelbike hinzu. Auch hier gilt, mach lieber zweimal die Woche eine 3-4 Stunden Ausfahrt, statt einer 8 Stunden Ausfahrt. Pedalschlag für Pedalschlag wirst du merken, dass dir längere Strecken immer leichter fallen. Um deinen Fortschritt zu testen, kannst du beispielsweise auch zum Auftakt der Saison eine Testrunde vor deiner Haustüre festlegen und diese nach 6 bis 8 Wochen nochmal fahren. Dabei ist es gar nicht entscheidend, wieviel du schneller bist, sondern insbesondere, ob sich die Strecke auch leichter angefühlt hat. 

Bei deinen Ausfahrten plane zudem viele unterschiedliche Routen: Leichte und lange Routen mit vielen Asphaltabschnitten, technische, kurze Strecken mit leichten Trailabschnitten (wenn du diese auch in deinem Alpencross eingeplant hast) und fordernde Routen mit steilen und/oder langen Anstiegen. Das hilft dir, Material und Körper zu erproben. Wer ohne Vorbereitung startet, riskiert, dass der Urlaub unter Umständen zur mentalen Qual wird. 

 

Übernachtung & Gepäck

Je nach Route kannst du in Gasthöfen, Berghütten, auf Campingplätzen oder Hotels übernachten. Achte bei der Buchung auf bikefreundliche Unterkünfte und kläre, ob ein sicherer Stellplatz für dein Rad vorhanden ist. In der Hochsaison empfiehlt sich eine frühe Reservierung.

Beim Gepäck ist es wichtig, dass du einmal Probe packst. Wichtig: Jedes Gramm zählt. Bikepacking-Taschen am Rahmen, Lenker und Sattel müsst ihr individuell ausprobieren, für eure Vorlieben und vor allem für euren Rahmen die geeigneten Modelle finden. Zudem solltet du dir Gedanken machen, wo du Trinkflaschen befestigst. Wer am Rahmen keinen Platz mehr hat. Das geht öfter insbesondere Fahrer*innen mit kleinerem Rahmen so, der kann auch einen Trinkrucksack nutzen. Inzwischen gibt es extra-leichte Modelle für Biker, alle Ausführungen für Trailrunner kommen aber auch in Frage. Auf einen normalen Rucksack solltest du verzichten, das gibt schnell Nackenschmerzen und fast dauerhaft einen verschwitzten Rücken. Ein Hipbag für Handy und Wertsachen kann ein guter Kompromiss sein. 

 

Eine minimalistische Packliste findest du hier.

 

Ernährung auf Tour

Viel Trinken und “strategisches” Essen ist auf Tour Pflicht. Den ganzen Tag unterwegs zu sein, kostet viel Energie. Insbesondere, wenn es nicht der erste Tag auf dem Bike ist. Daher: “Übt” bei euren Trainingstouren auch das richtige, kohlenhydratreiche und vor allem rechtzeitige Essen. Wer mit richtigem Hunger durch die Gegend strampelt, riskiert einen “Hungerast”, also einen plötzlichen Einbruch der Leistungsfähigkeit durch Unterzuckerung.

Wer Lieblingsriegel, Obst oder Gels hat, sollte diese Gewohnheiten nicht ausgerechnet beim Alpencross auf die Probe stellen. Wer anfangen möchte Gels oder Riegel zu essen, sollte dies vorher ausprobieren. Es braucht manchmal etwas Zeit, den passenden Lieblingsenergiekick zu finden. 

 
 
Ernährung auf der Tour
Wer den ganzen Tag unterwegs ist, braucht viel Energie, deshalb ist die richtige Ernährung wichtig. Foto: Claudia Klingelhöfer

 

Geführter Alpencross für Einsteiger

Kurz noch ein Exkurs zu geführten Alpencross’ mit dem Gravelbike. Diese bieten

  • Gepäcktransport
  • Unterkunftsorganisation
  • Technischen Support
  • Ortskundige Guides

Für Einsteiger ideal, um ohne Planungsstress und mit mehr Sicherheit die Alpen zu erleben. Selbstorganisierte Touren dagegen bieten maximale Freiheit, erfordern mehr Eigenverantwortung und Flexibilität. Gleichzeitig gibt es noch die Möglichkeit sich für einen Mix zu entscheiden. So gibt es Touren von Anbietern, die Gepäcktransport und Routenplanung mit Unterkünften übernehmen, aber ohne Guide auskommen. Dadurch sind diese Touren auch günstiger.

 

Fazit zum Thema Alpencross mit dem Gravelbike

Beim Alpencross mit dem Gravelbike ist die Devise: Alles kann, nichts muss.  Und das wichtigste, vergesst nicht den Spaß einzupacken. Die meisten Pannen, Verfahrer, “ich-kann-nicht-mehr-Momente” sind die besten Geschichten für die Daheimgebliebenen.

 

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