Was kann sie wirklich? Die Salomon S/Lab Shift Tourenbindung im Test

Sie ist in aller Munde: Die S/Lab Shift Skitourenbindung von Salomon. Doch was kann sie wirklich? Unser Athlet Bernd Hassmann von der Flow Valley Crew hat sie am Stubaier Gletscher getestet. Und war überrascht.

 

Die Salomon Shift im Härtetest


Mal wieder eine Tourenbindung… Was sollte die denn noch besser können als die viele anderen Tourenbindungen dieser Welt? Doch Moment. Die Salomon S/Lab Shift sticht schon einmal sofort ins Auge. Irgendetwas ist anders an ihr. Einen Fersenautomat findet man mittlerweile auch bei der Konkurrenz. Doch jetzt kommt das große „Aber“: einen vollwertig auslösenden Alpinvorderbacken, der sowohl mit Tourenskischuhen als auch der Alpin-Norm kompatibel ist (diese Einstellung wird über ein verstellbares Zehenpedal am Vorderbacken vorgenommen) UND Tech Pins für den Aufstieg bereit hält – das ist bisher nicht auf den Brettern dieser Welt montiert gewesen. Grund genug die erste Generation der Shift gründlich unter die Lupe zu nehmen und einem ausführlichen Test zu unterziehen.

 

Zunächst aber ein paar nüchterne Daten zur Bindung. Mit 865g pro Bindung hat die Salomon S/Lab etwas mehr Speck auf den Rippen als andere aufstiegsorientierte Tourenbindungen. Doch die Salomon S/Lab Shift bietet so viel mehr. Mit ihr machst Du Freeride Lines, Powdersurfing, ballerst ab und an mal die Piste und trotzdem bietet die Salomon S/Lab den Aufstiegskomfort einer Pin-Bindung. In Anbetracht dieses Einsatzbereichs also ein unglaubliches Leichtgewicht und derzeit konkurrenzlos. Eine TÜV Zertifizierung gibt’s außerdem obendrauf. Macht schon mal Lust auf mehr!

 

Ab auf die Piste


Tatort: Stubaier Gletscher. Schnee: semi-gut, mit Tendenz zu knuspriger Eis-Auflage. Hier sollte eine Bindung auf jeden Fall ohne Einschränkung funktionieren, damit der Tester nicht ungewollt durch Fehlauslösung mit Skiverlust in die harte Unterlage beißt. Erst mal ist etwas Warm-Pisteln angesagt. Unterwegs bin ich mit einem Salomon QST 106, der rein vom Papier nicht gerade gut neben hauteng angezogenen Kippstangen-Artisten aussieht. Sei´s drum – zumindest der Einstieg in das Sportgerät ist identisch. Die Sorge ob wohl der Z-Wert für die harte Piste ausreicht, verfliegt bereits nach den ersten Schwüngen, bei denen die Shift vollwertige Alpinbindung-Stabilität vermittelt und keinen Gedanken an eine Tourenbindung aufkommen lässt. Tempo steigern, aufkanten und fräsen machen auch mit Skiern über 100mm Mittelbreite Spaß…die Ski-Bindungs-Kombination funktioniert!

 

 

 

Wechsel in den Tourenmodus


Zwei Abfahrten später zwingt mich mein Aufstiegs-Ego nun doch endlich die Lifte hinter mir zu lassen. Also raus aus der Bindung, Felle aufziehen und Pins ausklappen. Mit leichtem Druck wird der blaue Knauf auf „Walk“ umgelegt und fertig ist der Vorderbacken. Nun noch die Arretierung der Skibremse von „Ski“ auf „Walk“, umklappen und entweder die Skibremse manuell anheben oder nach dem Einstieg am Vorderbacken kräftig mit der Ferse des Skischuhs nach unten drücken. Der Effekt ist der Gleiche, nämlich dass der Skistopper sicher oben einrastet und für den Aufstieg fixiert ist. Zum Einstieg vorn wird mit dem Skistock der blaue Hebel am vorderen Ende der Bindung nach unten gedrückt, der Skischuh mit den Inserts bis zum Anschlag nach vorn geschoben (je nach Skischuh muss hier aufgrund der Schuhbreite ggf. auch mal seitlich eingefädelt werden) und der Hebel wieder losgelassen. Ein richtiger Step-In Modus ist dies zwar nicht, allerdings funktioniert das Ganze nach kurzer Übung auch hier problemlos. Bevor es bergauf geht, ist es wie bei anderen Tech Bindungen ebenso von Nöten die Pins zu Arretieren, was durch Hochklappen (in die zweite Rastung!) des vor dem Skischuh befindlichen Hebels geschieht.

 

 

 

 

Aufstieg


Mit einem Bewegungsspielraum von 90 Grad steht die Shift anderen Pin-Bindungen in nichts nach und bietet bergauf alles, was sich Freerider aber auch Tourengeher wünschen. Die einstufige Steighilfe lässt sich leicht mit dem Griff des Stocks aufklappen und bietet selbst für eine optimistische Spuranlage genügend Komfort. Sollte man eine zweite Stufe vermissen, ist man vermutlich eh zu steil unterwegs. Im weiteren Aufstieg verhält sich die Bindung unauffällig, was definitiv ein gutes Zeichen darstellt.

 

 

 

Wechsel in den Abfahrtsmodus


Das Aussteigen am Gipfel erfolgt kinderleicht über erneuten Stockdruck auf den vorderen blauen Hebel. Den Knauf am Vorderbacken in den „Ski“ Modus umzuklappen erfordert – vor allem mit Handschuhen – aber etwas mehr Aufmerksamkeit, da der Platz vor dem Zehenpedal eher knapp bemessen ist. Am Hinterbacken wurde dies deutlich besser gelöst – hier lässt sich mit eingepackten Fingern die Arretierung der Skibremse problemlos lösen.

Abfahrtsbereit! Einsteigen wie in eine Alpinbindung und sich dem fluffigen Neuschnee hingeben. Oder wie in meinem Fall eher dem kompakten Plattenpowder trotzen – was die Shift allerdings überhaupt nicht juckt.

 

 

 

 

Fazit


Salomon schließt mit der S/Lab Shift die Lücke zwischen Tourenbindung und Alpinbindung. Die durchdachte Konstruktion, die nach über 7 Jahren nun serienreif auf den Markt losgelassen wird, überzeugt mit einem – für eine Freeride-Tourenbindung – geringen Gewicht, bomben Stabilität und sehr breitem Einsatzbereich. Der Dauertest über den Winter wird nun zeigen, wie sich das System bei verschiedenen Bedingungen bewährt. #holyshift!

 

 

 

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