Skitouren mit Bus und Bahn, geht das? Nicht überall, aber immer häufiger und wenn, dann besser als gedacht oder als schöner Kurzurlaub. Wir haben für euch fünf großartige Touren und Regionen zwischen Kleinwalsertal und Innsbruck zusammengestellt: mal hochalpin und fordernd, mal gemütlich, mal mit Hüttenromantik. Auf den ersten Blick erscheinen die Touren sehr unterschiedlich und doch haben sie alle etwas gemeinsam: unvergleichliche Bergmomente mit Bahn und Bus.
1. Kleinwalsertal: Obere Gottesackerwände, 2033 m –
Drei-Gipfeltour für Experten

So sieht Skitouren im Kleinwalsertal aus. Foto: Frank Drechsel
Schon allein die zerklüftete Karstlandschaft des mächtigen und weithin sichtbaren Gottesackerplateaus im Kleinwalsertal ist eine Augenweide. Legt sich dann im Winter auch noch eine dicke Schneehaube über den markanten Gipfel des „Hohe Ifen“, kribbelt es erfahrenen Skitourengeher:innen in den Füßen.
Um jetzt mal im biblischen Kontext zu bleiben: Der liebe Gott hat sich beim Kreieren dieses Bergmassivs richtig ins Zeug gelegt. Weswegen konditionsstarke und erfahrene Tourengeher auch gerne in die Verlängerung gehen und an einem Tag gleich drei Gipfel in dieser imposanten Landschaft absolvieren. Insgesamt werden so rund1300 Höhenmeter im Aufstieg zurückgelegt – gute 5 bis 6 Stunden sollten für die Tour einkalkuliert werden. Die Drei-Gipfeltour verläuft über das Mahdtal auf den Windecksattel. Von hier geht sie los, die Gipfelrallye: Vom Sattel steuern Tourengeher:innen auf die Unteren Gottesackerwände (1.858 m) zu, dann geht es auf die Oberen Gottesackerwände (2.033 m) und zuletzt lockt noch das Toreck (2.020 m). Hier heißt es dann Felle endgültig einpacken und eine extralange Abfahrt ins Tal genießen.
Es empfiehlt sich für diese Tour am Vortag gemütlich anzureisen. Im Tal gibt es viele nette Einkehrmöglichkeiten/Bars und eine sehr gepflegte Après-Ski-Kultur beispielsweise an der Auenhütte.
Spa und Sport im Mix: Wer mag, gönnt sich eine Übernachtung im A-Rosa Ifen Hotel Kleinwalsertal. Why not?!
Informationen: Skitourenführer Allgäu
Charakter: anspruchsvolle Skitour – was Kondition und alpine Erfahrung angehen.
Höhenmeter: ca. 1.300 Hm
Dauer: 5 – 6 h.
Besonderheiten: Drei Gipfel in einer Tour in der schönsten Sackgasse Österreichs. Das Gottesackerplateau steht unter Naturschutz – bitte unbedingt an die Wintermarkierungen halten, oder noch besser die Tour mit einem ortsansässigen Bergführer machen.

Auf dem Gottesacker Foto Crédit: Elmar Müller
ÖPNV ab München:
- Bahn München → Oberstdorf (ca. 2.15 h)
- Bus Walserbus Linie 1 → Riezlern/Ifen
- Startpunkt: Parkplatz Ifen / Auenhütte
2. Seefeld – Rosshütte: One Night in Seefeld
Pistentour? Langweilig. Nacht-Pistentour: Einmalig! Die Vorteile kurz und kompakt: Das Skigebiet Rosshütte zählt zu den besten Nachtskigebieten Tirols.
Wir brauchen keine Stirnlampe und sind auf einer präparierten Piste unterwegs.
Wir genießen den dunklen Sternenhimmel über uns und die klirrende Winterkälte im Gesicht. Kurzum: Ein herrliches Freitagabend-Vergnügen.
Die Höhenmeter im Aufstieg können an Zeit und Lust angepasst werden: Wer lieber länger in der Hütte sitzt, schnallt an der Rosshütte die Ski ab. Wer es sportlicher mag, lässt die Hütte mit ihrem warmen Licht, links liegen und läuft bis zur Bergstation am Seefelder Joch. Bitte für die Abfahrt auf der Piste bleiben, damit Wild und Wald nicht unnötig zusätzlich gestört wird.
Spannend: Wer mag fährt von Seefeld mit der Bahn nach Innsbruck – sehr spektakuläre Bahnstrecke. Hier checkt man in eine Pension ein und macht am nächsten Tag noch die coole Nordketten-Tour – unsere Nummer 5 in diesem Beitrag.
Charakter: Nacht-Skitour am Pistenrand. Der ideale Auftakt für ein gelungenes Winter-Wochenende.
Höhenmeter: 600 – 860 Hm, je nach Ziel
Dauer: 2–2,5 h
ÖPNV ab München:
- Bahn München → Seefeld in Tirol (direkte EC-Verbindung, ca. 2 h)
- Fußweg 10–15 min zur Talstation Rosshütte.
3. Garmisch – Stuibenhütte, 1.640 m
Kombitour mit Gipfelglück und Hüttenromantik
Die ersten Skitourenerfahrungen sind schon gesammelt und es stehen neue Herausforderungen auf der persönlichen „To-do-Liste“? Dann ist eine Skitour mit Hüttenübernachtung doch genau das Richtige! Und damit es nicht allzu anstrengend wird, wählen wir als Gebiet Garmisch-Partenkirchen, mit der urigen Stuibenhütte. Der Aufstieg mit Übernachtungsgepäck wird dank Liftunterstützung der Osterfelderbahn/Alpspitzbahn um Einiges erleichtert.
Überhaupt startet die Skitour mit einer rasanten Abfahrt auf den Skipisten der „Garmisch Classic“, Richtung Bernadeinlift (1.530 m). Kurz vor der Liftstation geht rechts im Wald eine Spur (Sommerweg) Richtung Stuiben. Hier fellen wir auf und machen uns startklar für die gemütliche Skitour zur Stuibenhütte.
Zunächst geht es gemütlich durch einen lichten Bergwald und später über freies Almgelände zum Tagesziel. Wer mag kann noch ein wenig mit dem LVS-Gerät rund um die Hütte üben, oder sich einfach dem süßen Nichtstun hingeben. Der Hüttenwart bereitet für den Abend die mitgebrachten Lebensmittel zu – am besten Nudeln und eine Packung Soße mitbringen. Frühstück nicht vergessen!
Am nächsten Tag geht es dann noch auf den nahen Mauerschartenkopf, 1924 m, der von der Hütte aus ein „Klacks“ ist – danach locken traumhafte breite Hänge zur Abfahrt. Die Tour endet wieder in dem lichten Wald, wo am Vortag das erste Mal die Felle aufgezogen wurden. Ins Tal geht es bequem über das Skigebiet Garmisch-Classic. Und am Rückweg kommst du am besten noch auf einen Stopp in unserer Filiale in Garmisch vorbei.
Achtung: Auf dem Rückweg muss der Bernadeinlift genutzt werden, entsprechend beim Kartenkauf einen Hinweis über das Vorhaben geben.
Hütte: Stuibenhütte
Charakter: einfache Skitour, teils im alpinen Gelände. Alpines Wissen und Einschätzung der Lawinensituation erforderlich.
Höhenmeter: 150 Hm zur Hütte/ca. 300 Hm Hütte – Mauerschartenkopf
Dauer: 1,5 h/1 h Hütte – Mauerschauartenkopf
Besonderheiten: Toller Blick ins Wettersteinmassiv, sehr urige Hütte/Selbstversorgerbasis. Ideale Einstieg in alpinere Skitouren mit Hüttenübernachtung.
ÖPNV ab München:
- Bahn München → Garmisch-Partenkirchen (ca. 1.20 h)
- Ortsbus zur Alpspitzbahn oder mit der Zugspitzbahn bis Haltestelle Kreuzeck/Alpspitzbahn

Brauneck Tourenklassiker im Tölzer Land, Für Einsteiger, die auf präparierten Pisten abfahren wollen © Brauneck Bergbahn | Hubert Walther
4. Lenggries – Brauneck Gipfelhaus
Ein Geheimtipp ist die Skitour auf den Brauneck-Gipfel (1.555 m) nicht, das ist klar. Und dennoch gibt es eine stattliche Fangemeinde, die der Tour treu ergeben ist, um nicht zu sagen „verfallen“. Der Anstieg ist mäßig steil, technisch einfach. Mit rund 800 Höhenmetern ist die Brauneck-Tour vor allem für Skitouren-Neulinge eine „gstandene Skitour“ auf die man zu Recht stolz sein kann. Eingefleischte Lenggrieser Tourengeher nutzen ihren Hausberg gerne als Trainingsstrecke – manche steigen bis zu dreimal am Tag dem Brauneck aufs Dach, was dann rund 2.400 Höhenmetern entspricht!
Alle anderen, die mit einem Aufstieg hoch zufrieden sind, haben, oben angekommen, die Qual der Einkehrwahl: Entweder das Brauneck-Gipfelhaus oder das Panoramarestaurant (Bergstation der Brauneck-Bahn). Im Zweifel beiden einen Besuch abstatten. Die Skitour selbst führt durch einen herrlichen Bergwald und hat, bis auf wenige Ausnahmen, kaum Pistenberührung, was dieser Einsteigertour einen Hauch von echter Skitour verleiht. Zur Wegfindung bitte unbedingt den Aufstiegstafeln des DAV folgen. Abgefahren wird über die Piste. Achtung: nach Betriebsschluss sind die Pisten gesperrt, da die Präparierung mit Seilwindenmaschinen erfolgt.
Infos: Brauneck Bergbahn
Hütte: Brauneck Gipfelhaus
Höhenmeter: ca. 800 Hm
Dauer: 2–2,5 h
Besonderheiten: Viele Hütteneinkehrmöglichkeiten am Weg, sehr gute Anbindung.
ÖPNV ab München:
- BRB München → Lenggries (ca. 1.15 h)
- Mit dem Ski-Bus nach Wegscheid
5. Innsbruck – Seegrube (Nordkette)

Der Klassiker schlechthin: Die Abfahrt vom Hafelekar mit Blick auf Innsbruck. Foto: TVB Innsbruck/Klaus Polzer
Tirols Hauptstadt genießt in der Freeride-Szene „Mekka-Status“. Aber auch klassische Skitourengeher:innen geraten bei den beiden Schlagworten „Innsbruck“ & „Nordkette“ ins Schwärmen. Wie schön, dass die Tiroler Landeshauptstadt perfekt mit dem Zug von München aus erreichbar ist. Die Nordkettenbahn startet, sehr Öffi-freundlich quasi in der Stadtmitte und katapultiert Powder-Süchtige in wenigen Minuten, über zwei Etappen nämlich Hungerburg und Seegrube (1.900 m) aufs Hafelekar (2.250 m).
Die Skitourengeher:innen unter euch steigen an der Station Hungerburg aus und erobern die Nordkette – bis zur Seegrube – by fair means. Dieser Abschnitt ist eine beliebte Pistentour und zählt zu den Klassikern.
Mit rund 900 Höhenmetern und steilen Abschnitten ist dieser Klassiker durchaus sportlich und verlangt neben Kondition auch technisches Verständnis.
Wer mag und das skifahrerische Können mitbringt, setzt sich an der Seegrube angekommen, in die Bahn und lässt sich den letzten Abschnitt zum Hafelekar nach oben „gondeln“.
Von hier erlebt ihr einen echten Gänsehaut-Moment, denn: Der Drop-In von der Bergstation, in die bis zu 70 Prozent steile Hafelekar-Rinne ist nicht nur wegen ihrer Steilheit (sie zählt zu den steilsten Rinnen Europas), sondern auch wegen des außergewöhnlichen Tiefblicks auf die Dächer der Stadt, schlichtweg atemberaubend.
Es folgen schöne Runs bis zur Seegrube. Nach einem Einkehrschwung geht es weiter bergab bis zur Station Hungerburg. Hier bringt euch die Bahn wieder zurück in die City.
Infos: Nordkette Innsbruck
Charakter: Sportliche Pistentour, steile Abschnitte, sehr alpin.
Höhenmeter: ca. 900 HM (Aufstieg Hungerburg – Seegrube)
Dauer: 2–3 h
Besonderheiten: Top-Panorama über Innsbruck – eine der schönsten Aussichten der Alpen.
ÖPNV ab München:
- Bahn München → Innsbruck Hbf. (ca. 1:50 h)
- Straßenbahn J oder Bus → Hungerburgbahn