Im Gespräch mit Toni Palzer

Aufgewachsen in der Ramsau im Berchtesgadener Land mit Blick auf das 2.713 Meter hohe Watzmannmassiv ist es nachvollziehbar, dass Anton sich diese Lebenseinstellung zum Programm gemacht hat. Die Berge sind nicht nur Antons Heimat und Kraftquelle, sondern von klein auf auch sein großer Spielplatz. Er sieht es als seine Herausforderung, sie möglichst schnell mit Ski, zu Fuß oder dem Radl zu erklimmen, je steiler umso besser. Mit dem schönen Nebeneffekt, in einer traumhaften Landschaft unterwegs zu sein.

Der „Doni“ gibt Gas am Berg wie kaum ein Zweiter. Nicht nur im Winter als einer der besten Skibergsteiger der Welt, sondern auch im Sommer als international erfolgreicher Bergläufer.

 

Toni Palzer© Manuel Ferrigato

 

Hey Toni, wie geht´s dir nach deiner unglaublichen Leistung, in unter 3 Stunden die Watzmann-Traverse zu laufen?


Mir geht‘s super! Nach meinem Rekord habe ich ca. eine Woche Laufpause gemacht und alternativ viel auf dem Rad trainiert. Mein Training läuft sehr gut und momentan bin ich mit dem DAV SkimoTeamGermany in Obertauern für ein Höhentraining.

 

Erkläre doch bitte mal noch für alle: Was genau ist ein FKT und warum erlebt das FKT-Laufen gerade so einen Hype?


FKT steht für „Fastest Known Time“. Also für die schnellste Zeit auf einer bestimmten Strecke. Da aufgrund von Corona diesen Sommer so gut wie keine Wettkämpfe stattfinden, haben die FKT Projekte einen hohen Stellenwert bekommen. Man kann im Alleingang coole Projekte verwirklichen und sich zumindest mit der „Uhr“ messen.

 

© Philipp Reiter

 

Ein Hobbyläufer oder -Bergsteiger braucht für die Watzmann-Tour mindestens einen Tag, als Genusstour werden zwei Wandertage empfohlen; du brauchst 2.47h – was ist für dich der Reiz daran? Und können wir jetzt mit weiteren Höchstleitungen auf den Trail von dir rechnen?


Der Watzmann begleitet mich mein ganzes Leben lang und seit ich 16 Jahre alt bin, ist die Überschreitung eine Teststrecke für mich. Ich will über die Jahre den Prozess von mir auf dieser Strecke sehen. Gestartet bin ich damals mit 3:25h, dann 2015 mit 3:10h und 2018 waren es dann 3:06h. Der nächste logische Schritt war Sub 3, also die 3 Stunden Marke zu knacken. Dank einer idealen Vorbereitung und optimalen Bedingungen am Berg ist mir das ganz gut gelungen 😉

Die Strecke verlangt von einem Bergläufer alles ab: mit steilen Up- und Downhills, technischen Teilabschnitten und es ist mit ca. 23km halt ziemlich weit. Ob ich zukünftig weitere Laufprojekte mache, weiß ich noch nicht. Momentan liegt mein sportlicher Fokus auf dem nächsten Winter.

 

Nun gibt es auch Kritiker der FKTs allgemein und besonders der riskanten alpineren Touren. Bist du dir dessen bewusst? Und wie reagierst du darauf?


Die Kritik kenne ich und kann sie auch teilweise verstehen. Allerdings betone ich auch immer, dass ich meine Rekorde für mich mache und dabei keinen anderen Menschen gefährde. Ich rufe nicht dazu auf, meine Rekorde nachzuahmen. Im Gegenteil, gerade bei einer hochalpinen Tour wie der Watzmann-Überschreitung ist es mir wichtig, auf die Gefahren hinzuweisen. Zudem bin ich der Meinung, dass eine gesunde Selbsteinschätzung eines jeden Läufers nicht zu viel verlangt ist. Ich fahre ja auch nicht mit 150km/h die Streif in Kitzbühel runter, nur weil ich es im TV sehe ;). Außerdem hat es alpine Rekorde und Pionierleistungen immer schon gegeben. Sie sind Teil der Geschichte der Berge.

 

Und persönlich, wie gehst du mit dem Thema Risiko um?


Ich riskiere nichts bei solchen Projekten. Ich kann durch mein Training der ganzen Jahre zu 95% ausschließen, dass etwas passiert. Ich bin in den Berchtesgadener Bergen aufgewachsen und seit ich gehen kann hat mir mein Papa (Bergführer) extrem viel mitgegeben. Ich denke wirklich, dass ich sicher unterwegs bin!

 

Wenn man so an Speed interessiert ist wie du, ist Leichtigkeit beim Material zentral: Kannst du mit uns einen Blick auf deine Ausstattung werfen?


Bei meinem Rekord war das Wetter stabil, daher hatte ich nur die adidas TERREX Agravic Laufshort und Tanktop an. Außerdem bin ich den adidas TERREX Speed LD gelaufen. Ein leichter Wettkampfschuh mit 250g und perfektem Grip. Dass war‘s… Leichtigkeit bringt Sicherheit!

 

Eigentlich ist deine Hauptsportart das Skibergsteigen mit der deutschen Nationalmannschaft. Wo liegt für dich die Verbindung dieser beiden Sportarten?


Für beide Sportarten braucht man Berge! Man braucht keine Turnhalle oder Sportzentrum. Berglaufen im Sommer ist ein ideales Training für das Skibergsteigen im Winter, und umgekehrt. Das macht es leicht die beiden Ausdauersportarten miteinander zu verbinden.

 

© Stefan Wiebel

 

Du bist seit Jahren mit Abstand der erfolgreichste deutsche Sportler im Skibergsteigen und zählst international zur Weltspitze: Was sind noch Ziele für deine Karriere als Wintersportler?


Mein größtes Ziel ist es Weltmeister im Einzel zu werden! 2021 habe ich wieder die Chance, diesen Traum zu verwirklichen.

 

Das Skibergsteigen als Wettkampfsport ist einen Randsportart und findet abseits der breiteren Berichterstattung statt, dennoch erfährt das Skitourengehen in der Breite seit Jahren einen Boom. Warum ist das so und wo siehst du Möglichkeiten, dass auch ihr Athleten stärken in den Fokus rückt?


Skibergsteigen oder besser die Berge geben den Menschen die nötige Distanz zum stressigen Alltag. Auf den Bergen kann man einfach super abschalten und sich wieder mit Energie versorgen. Deswegen gehen, denke ich, so viele Menschen auf Skitour.

Ein wichtiger Schritt für den Wettkampfsport in Deutschland war sicherlich der erste deutsche Weltcup letzten Februar am Jenner in Berchtesgaden. Einige 1000 Zuschauer waren am Berg und konnten die Faszination unseres Sports live erleben.

Aus meiner Sicht müssen Skimo-Wettkämpfe vermehrt in die großen Skiregionen, um für Zuschauer und Medien greifbarer zu sein. Dann wird Skimo auch mehr Aufmerksamkeit bekommen.

 

Gibt es sportliche Vorbilder für dich?


Nein, nicht wirklich. Alle Profisportler haben das Glück, ihr Hobby zum Beruf gemacht zu haben. Es gibt Menschen, die viel mehr bewegt haben, als „nur“ sportlich erfolgreich gewesen zu sein!