Ana Zirner – Die Bergsüchtige

Ana Zirner, die Frau, die hinter dem Projekt ana’s way west steht, kommt aus dem wunderschönen bayerischen Chiemgau. Aufgewachsen ist sie natürlich in den Bergen, in der Nähe der Kampenwand. Doch die idyllische Kindheit auf dem Lande hat sie nicht davon abgehalten auch mal etwas Großstadtluft zu schnuppern. Dabei konnte sie schon einige große Städte ihr Zuhause nennen: von Chicago, nach New York, mit einem Abstecher nach Madrid und Berlin, bis hin zu ihrer aktuellen Heimat München. Wenn unsere Ana nicht gerade in den Bergen unterwegs ist, um neue Energie zu tanken, dann inszeniert sie Theaterstücke und Filme – denn Ana ist freischaffende Regisseurin in München.

Ana’s großes Projekt für dieses Jahr ist ana’s way west. Hier wird die 33-jährige in 60 Tagen die Alpen von Osten nach Westen überqueren. Mit einem 35 Liter Deuter Rucksack bepackt macht sie sich auf die 1.900 km lange Route von Ljubljana (SLO) nach Grenoble (FRA). Dabei wird sie in 9 Etappen fünf Länder bereisen. Über ihren Blog, ihren Instagram-Kanal @anaswaywest, und der anas way west Facbook Seite wird sie uns regelmäßig mit Updates zum Verlauf der Tour auf dem Laufenden halten. 

 

Im Interview mit ana zirner


 Hi Ana, zunächst mal, wer unterstützt Dich bei Deinem Projekt anas way west?

Allen voran natürlich mal ihr, also Sport Conrad. Ich freue mich sehr auf diese Zusammenarbeit, das fühlt sich das alles sehr gut und richtig an mit euch. Dann habe ich noch drei weitere echt tolle Partner für das Projekt gewinnen können: Kari Traa, Deuter und Clif Bar.  

 

Das ist ja jetzt eine eher größere Reise, die Du Dir da vorgenommen hast. Was hat Dich dazu inspiriert für 60 Tage Stadtwohnung gegen Berge zu tauschen?

Die letzte Zeit war nicht gerade einfach für mich, viele Dinge haben mich intensiv beschäftigt. Ich habe gemerkt, dass ich Zeit brauche um mich zu sortieren. Ich muss aktiv sein, um denken zu können. Deswegen gehe ich schon immer gerne in die Berge. Ich kann mir keinen besseren Ort vorstellen als die Berge, um Überblick, Einblick und Ausblick gewinnen zu können. Die Berge verändern die Perspektive.

 

ana’s way west ist ein wirklich umfangreiches Projekt, wann hast Du angefangen, das alles zu planen?

Ich nehme mir generell im Leben gerne große Dinge vor [lacht]. Die Idee für diese Tour habe ich schon seit Längerem, allerdings nicht so ausgeprägt, wie es nun letztlich geworden ist. Ich denke es wird auch mental eine Herausforderung, so lange allein unterwegs zu sein. Aber ich freue mich darauf. Mit der intensiven Planung dieses Projekts habe ich dann Anfang 2017 angefangen.

 

Was nimmst Du bei Deiner 60-tägigen Reisen alles in Deinem Rucksack mit?

So wenig Kleidung wie möglich [lacht]. Hauptsächlich hab ich Merinobekleidung von Kari Traa eingepackt, was super ist, weil Merino wärm hält aber gut lüftet, nicht so schnell stinkt und einfach zu waschen ist. Außerdem sehen die Sachen gut aus, was mir ehrlich gesagt bei 60 Tagen dann auch nicht ganz unwichtig ist [lacht]. Dann noch eine Primaloft Jacke, Regenzeug, Klettersteigzeug… Ich habe die Yogamatte, obwohl ultraleicht, dann schweren Herzens doch daheim gelassen und hoffe auf ein paar Bergwiesen… [lacht].

Außerdem habe ich einen kleinen Massageball (Blackroll) dabei, sowie Kinesio- und Leukotapes für das verarzten von Füßen, Muskeln und Faszien. Dann natürlich meinen Schlafsack, Isomatte und Biwaksack. Alle Ausrüstungsgegenstände, die ich für den letzten Teil des Projekts benötige, bei dem ich dann auch Gletscher überqueren muss – also Eispickel, Steigeisen, Seil… – werden mir dann in die Schweiz nachgeschickt, damit ich nicht alles bis dahin ungenutzt mit mir rumtragen muss. Aber ich versuche natürlich alles auf ein Minimum zu reduzieren, weil es sonst ein zu schwerer Rucksack wird. Außerdem geht es bei dem Projekt ja um eine mentale Reise und nicht um eine Materialschlacht.

 

Nimmst Du noch irgendwas spezielles mit, was Dir persönlich am Herzen liegt?

Ich nehme eine kleine Karte zum Lesen der Sterne mit. Wenn ich dann in meinem Schlafsack unter dem Sternenhimmel liege, kann ich lernen die Sterne zu lesen und den Himmel mal richtig kennenlernen. Früher haben sich die Leute ganz stark an den Sternen orientiert. Heute nehmen wir uns ja kaum Zeit einmal nach oben zu schauen. Ja, es ist unglaublich faszinierend, wie hell die Sterne in den Bergen fernab vom künstlichen Licht zu leuchten scheinen.

Außerdem hat mir meine Freundin April, die in Kalifornien ganz viel auf langen Treks unterwegs ist, Pfefferminzöl geschenkt. Da die Sinne mit der vielen Zeit draußen so sehr geschärft werden, wird das ganz besonders wohltuend sein.

 

Wie handhabst Du das Thema Ernährung? Hast Du Dir einen Ernährungsplan für die Tour zusammengestellt?

Zum Einem unterstützt mich Clif Bar mit Riegeln, Blocks und Gels, die mir auch jeweils an den Etappenstart geschickt werden. Auch wenn ich die aktuell super gerne auf meinen Touren esse, bin ich mir nicht so ganz sicher, wie gern ich die Riegel nach 60 Tagen noch esse… [lacht] Ansonsten werde ich unterwegs einmal am Tag eine Hütte für eine warme Mahlzeit ansteuern, weil ich es ja spannend finde die kulinarischen Unterschiede zu erleben und weil ich außerdem keine Lust auf Kocher & Co hatte. Sonst setze ich auf Äpfel und Bananen, die ich mir jeweils im Tal zwischen den Etappen besorge.

 

Hast Du für das ana’s way west Projekt eigentlich im Vorfeld trainiert?

Ja, schon. Ich bin seit mehreren Monaten regelmäßig auf längeren Touren unterwegs, manchmal auch mit einem schweren Rucksack. Um mich auf das lange Gehen vorzubereiten hab ich unter Anderem meinen Füßen spezielle Calcium-Bäder gegönnt und beim Barfuß-Wandern all die kleinen Muskeln gezielt trainiert. Außerdem helfen meine täglichen Yogaeinheiten, die für die nötige Balance sorgen.

 

Erzähl uns doch mal etwas mehr von Dir selber, woher kommt diese unglaubliche Liebe zu den Bergen?

Also ich in der 9. Klasse war, hatten wir einen wirklich tollen Lehrer, der eine Alpenüberquerung (Nord-Süd) mit uns gemacht hat. Es ging dabei runter bis in die italienischen Alpen. Auf dieser Tour haben wir ein paar massive Dinge erlebt und z.B. eine Steinlawine überlebt. Ich habe dabei sehr viel über die Berge und über mich darin gelernt. Auf diesem Ausflug habe ich die wohl wichtigste Lektion als Bergsteigerin gelernt: dass man die Berge respektieren muss. Ich glaube, dass es ein Trugschluss ist zu behaupten, dass man die Berge erobern kann. Es geht vielmehr darum, dass diese mächtigen Berge so freundlich sind, mich kleinen Menschen dort verweilen zu lassen. Und in diesem Erlebnis kann ich als Mensch auf eine Art wachsen, wie sonst nirgends im Leben.

 

Was machst Du am liebsten in den Bergen?

Im Winter bin ich definitiv am liebsten auf meinem Snowboard unterwegs – und am liebsten abseits der Skigebiete beim Splitboarden. Im Sommer tausche ich dann auch mal meine Wanderschuhe und den Rucksack gegen mein Surfboard. Eigentlich bin ich jedes Jahr mindestens drei Wochen zum Surfen in Frankreich. Früher hatte ich noch Spaß am downhill longboarden, aber dafür habe ich inzwischen zu viel Schiss [lacht].

 

Und wo ist Dein „all-time-favorit-happy-place“ in den Bergen?

Ganz klar: der Hohe Tauern Nationalpark! Die Landschaft dort ist einfach nur unglaublich dramatisch. Grüne saftige Wiesen, die auf einmal in raue Felswände übergehen. Natur, hohe Berge, kalte Seen und Gletscher. Das ist schön!

 

Du hattest zuvor erwähnt, dass Du gerne Deine Yogamatte auf Deine 60-tägige Reise mitnehmen möchtest. Ist Yoga denn so wichtig für Dich?

Ja, definitiv! Bei mir fängt jeder Morgen mit einer Yogastunde gleich nach dem Aufstehen an. Ich tendieren dazu Dinge recht schnell und hektisch zu erledigen, Yoga hilft mir dabei mich zu konzentrieren und runterzufahren bevor ich in den Tag starte. Auf meiner Reise werde ich hauptsächlich Yin-Yoga praktizieren – ein Yogastil bei dem man sehr gut zur Ruhe kommt. Beim Yin-Yoga kann man durch langes halten einzelner Posen optimal Dehnen und an die Faszien herankommen.

 

Und nur noch etwas ganz wichtiges: Was erwartest Du Dir von Deiner Reise von Osten nach Westen?

Ich möchte gerne mein Bewusstsein stärken, Achtsamkeit üben und lernen den Moment zu genießen ohne vom Moment gefangen zu sein.