Sicher am Berg und in der Halle: Alles, was Du über Kletterseile wissen musst

Bei der richtigen Kletterausrüstung gibt es so einiges zu beachten – Klettergurt, Kletterhelm, Kletterschuhe, Sicherungsgerät und vor allem auch das Kletterseil muss passen. In diesem Guide zeigen wir Dir deshalb welche unterschiedlichen Seiltypen es gibt, wann Du welches Seil brauchst und auch worauf Du beim Seilkauf sonst noch achten musst. Außerdem geben wir Dir Tipps zur richtigen Seilpflege und Aufbewahrung – denn einmal gekauft, willst Du Dein Seil natürlich möglichst lange benutzen können. 

 

Verschiedene Seiltypen & Ihr Anwendungsbereich


Der wohl wichtigste Unterschied bei Kletterseilen sind die drei verschiedenen Typen: Einfachseil, Halbseil und Zwillingsseil. Sie alle gehören zur Gruppe der Dynamikseile – sprich sie weisen eine geringfügige Dehnbarkeit auf und können dadurch Stürze abfangen. Bevor wir auf alle weiteren Merkmale von Kletterseilen eingehen, erklären wir Dir, was es mit diesen Seiltypen auf sich hat und wann welches Seil eingesetzt wird. 

 

Einfachseil – Der Standard in der Halle und im Klettergarten

Das Einfachseil ist das meist verwendete Kletterseil. Einfachseil bedeutet, dass es im Gegensatz zum Zwillings- oder Halbseil, im Einzelstrang verwendet wird. Vor allem beim Sportklettern ist es der Standard – sowohl für drinnen in der Halle als auch für draußen im Klettergarten. Teilweise wird es auch für alpine Hochtouren, zum Eisklettern und zum Big Wall Klettern verwendet.

Der große Vorteil des Einfachseils ist die einfache Handhabung – weniger Seil, bedeutet weniger „Seilsalat“. Hinzu kommt, dass Du das Einfachseil mit gängigen Sicherungsgeräten wie dem Grigri von Petzl verwenden kannst. Beim Abseilen kann das Einfachseil allerdings nicht mit einem Halb- oder Zwillingsseil mithalten: Mit Doppelseilen kannst Du Dich um einiges schneller abseilen, da sie durch die doppelte Länge längere Abseilstrecken ermöglichen – die gesamte Seillänge anstatt nur die halbe. Vor allem im alpinen Gelände kann dies bei einem plötzlichen Wetterumschwung einen entscheidenden Vorteil bieten. Außerdem bieten die Doppelseile auch eine Art doppelte Absicherung. Wenn in einer Extremsituation, wie beispielsweise bei Steinschlag, ein Strang des Kletterseils durchtrennt wird, verhindert der zweite Strang einen Absturz. 

 

Halbseil – Halbes Seil, doppelte Sicherheit

Das Halbseil wird vor allem beim Klettern im alpinen Gelände, bei Routen mit Selbstabsicherung und auch beim Tradklettern verwendet. Wie die Zwillingsseile, sind Halbseile grundsätzlich nur dazu geeignet im Doppelstrang eingesetzt zu werden – ansonsten ist die nötige Sicherheit nicht gegeben. Der wesentliche Unterschied zum Zwillingsseil ist, dass nur ein Strang des Halbseiles bei Zwischensicherungen eingehängt werden muss. Dadurch kann der Seilverlauf optimiert und die Seilreibung reduziert werden.  Bei einer Dreierseilschaft kann man sich schnell fortbewegen, da der Vorsteiger mit beiden Seilen vorsteigt und die beiden Nachsteiger am Einzelstrang nachsichern kann. 

Da das Halbseil paarweise verwendet wird, ist es dünner als ein Einfachseil. Wie schon erwähnt, bietet es im alpinen Gelände dennoch größeren Schutz – sollte ein Seil durch Steinschlag oder eine scharfe Kante reißen verhindert der zweite Strang einen Absturz. Die Verwendung im Doppelstrang erfordert allerdings spezielle Sicherungsgeräte, wie zum Beispiel Tubes oder HMS-Karabiner

 

Zwillingsseil – Wenn jedes Gramm zählt

Das Zwillingsseil ist eine Kombination aus Einfachseil und Halbseil. Zwillingsseile werden wie Halbseile im Doppelstrang verwendet, allerdings werden wie beim Einfachseil beide Seile in jede Zwischensicherungen eingehängt. Bei einem Sturz werden deshalb immer beide Seile belastet. Aus diesem Grund sind Zwillingsseile nochmals eine Spur dünner als Halbseile und zeichnen sich durch geringes Gewicht und einen geringen Durchmesser aus. Sie kommen daher dort zum Einsatz, wo jedes Gramm zählt und werden ausschließlich von Spezialisten verwendet.

Während Zwillingsseile – ebenso wie Halbseile – dem Einfachseil in puncto Abseilen und Sicherheit überlegen sind, können sie nicht wie Halbseile mit reduzierter Seilreibung punkten. Eingesetzt werden Zwillingsseile ähnlich wie Halbseile – im alpinen Gelände, aber auch zum  Mixed-Klettern.

 

Rap Line – Für Material, den Abstieg oder im Notfall

Zwar kein Kletterseil, aber dennoch ein Seil, das man immer wieder zum Klettern braucht, ist die Rap Line – auch Reepschnur genannt. Diese Seile sind dazu gedacht um Material nachzuziehen und um sich abzuseilen. Außerdem können sie in Ausnahmesituation auch als Notseil eingesetzt werden. Im Unterschied zu einem „normalen“ Kletterseil ist die Reepschnur ein Statikseil und weißt kaum Dehnfähigkeit auf.  Deshalb ist sie nicht zum Klettern geeignet. Hinzu kommt der wesentlich dünnere Durchmesser und das dadurch geringere Gewicht.  

 

Weitere Merkmale von Kletterseilen


Abgesehen von den unterschiedlichen Seiltypen gibt es noch weitere Merkmale, die Du beim Kauf von Kletterseilen beachten musst. Dazu gehören vor allem die Länge und der Durchmesser – denn nicht jedes Einfachseil, Halbseil und Zwillingsseil ist gleich lang und gleich dick. 

 

Welche Länge ist die richtige?

Die richtige Seillänge hängt davon ab, wofür Du das Kletterseil hauptsächlich verwendest. Zum Klettern in der Halle brauchst Du zum Beispiel ein kürzeres  Seil als bei Mehrseillängentouren im alpinen Gelände. Standardmäßig gibt es Kletterseile deshalb in einer Länge zwischen 40 und 80m

Beim Felsklettern im Freien solltest Du Dir im Vorhinein die Topografie der Route genauer ansehen. Abhängig von der Länge der Tour und der Länge der Abseilstellen, solltest Du schließlich die Seillänge wählen. In Kletterführern oder auch im Internet findest Du meist eine Empfehlung für die jeweilige Route. Im Normalfall sollte aber ein Seil mit 70m Länge ausreichen – hier hast Du auch noch einige Meter Reserve. Bei Mehrseillängenrouten werden 70m allerdings etwas knapp. Hier solltest Du besser auf ein Seil mit einer Länge 80 m zurückgreifen, um auch lange Abseilstellen und große Abstände zwischen Standplätzen meistern zu können. 

Bei kürzeren Routen im Klettergarten reicht allerdings eine Länge von 60m in den meisten Fällen aus. Und auch in der Kletterhalle kannst Du kürzere Seile benutzen. Unter 50m solltest Du hier aber auch nicht verwenden, da die neuen Hallen immer größer und höher werden. Am besten Du informierst Dich im Vorhinein direkt bei der Kletterhalle in Deiner Nähe über die empfohlene Seillänge. 

 

 

Durchmesser – Robustheit vs. Gewicht

Beim Durchmesser gilt generell: Je dicker das Seil, umso robuster. Deshalb steigt mit zunehmendem Durchmesser die Anzahl der Stürze, die ein Seil „überleben“ sollte. Ein dickes Seil hat somit eine längere Lebensdauer als ein dünneres. Gleichzeitig bedeutet ein größerer Seildurchmesser natürlich aber auch höheres Gewicht und höhere Reibung in den Zwischensicherungen und im Sicherungsgerät – dadurch wird das Klettern anstrengender. Grundsätzlich solltest Du deshalb auch immer darauf achten, ob die die Seilstärke mit Deinem Sicherungsgerät übereinstimmt! 

Beim Einfachseil sind in der Regel Durchmesser zwischen 9 bis 10mm ideal. Wenn Du viel Toprope und in der Halle kletterst, kannst Du aber ruhig zu einem etwas dickeren Seil greifen, da sehr viel Reibung auf das Seil wirkt. Halbseile und Zwillingsseile sind auf Grund der paarweisen Benützung dünner. Der Durchmesser bei Halbseilen liegt zwischen 7,5 und 9mm, während Zwillingsseile schon ab 6,9mm erhältlich sind. 

 

Imprägnierung – Für zusätz