Sport Conrad Athlet Robert Grasegger: Neue Mixed-Route auf der Hochalm

Mixed-Klettern…  Noch nie gehört? Fortgeschrittenen Kletterern und vermutlich auch deren Freunde oder Familie ist diese Disziplin sicherlich bekannt. Die Disziplin des Mixed-Kletterns besteht aus dem Drytooling und Eisklettern. Dabei versteht man unter dem Begriff Drytooling ganz vereinfacht gesagt Eisklettern auf dem Fels – quasi eine „Trockenübung“. Entstanden ist das Drytoolen durch die oftmals langen Zustiege bis zu den eigentlichen Eiszapfen der Eiskletter-Route. Geklettert wird dabei mit einem Eispickel, Steigeisen oder speziellen Felsschuhen mit integrierten Steigeisen. 

 

Garmisch-Partenkirchen kann mit zahlreichen umliegenden Felsklettergebieten locken. Doch wie schaut es in Sachen Drytooling und Eisklettern aus? Eher mager. Für Drytooling, Eisklettern oder eben Mixed-Klettern müssen Winter-Kletterbegeisterte meist ins benachbarte Tirol oder gar Süd-Tirol ausweichen. Dennoch bleibt der Reiz ebendieser Kletterei bestehen. Am schönsten ist es, wenn man für seine Leidenschaft nicht stundenlang im Auto sitzen muss und einfach „vor der Haustüre“ mit Steigeisen und Eispickeln diese Spezialdisziplin des alpinen Kletterns ausüben kann. Allerdings, warum also nicht einfach rausgehen und seine eigene Route suchen? Robert Grasegger hat es so gemacht. 

Nicht nur die etwas aufwendigere Ausrüstung als beim Alpin- oder Sportklettern im Sommer stellt sich beim Eisklettern ein, auch die noch intensivere Beschäftigung mit der Beschaffenheit des Eises – eigentlich der gesamten Route – muss bedacht werden. Klettern im Winter ist anders: eiskalte Finger und Hände, die einen Eispickel halten müssen, die Griffe werden nicht mit den Händen sondern mit den Eispickeln genommen und Tritte werden nicht mit den Zehenspitzen sondern mit Steigeisen angestiegen. Beim Drytooling ist man nicht so an das Wetter gebunden und Eis ist für das Bewältigen einer Tour nicht unbedingt notwendig. Oftmals verändern die Wintertemperaturen nur die Beschaffenheit der Route

 

 


 

Unserem Ambassador Robert Grasegger gelang am 15. Dezember 2018 der Durchstieg seiner neuen Mixed-Route „ShAre the PAssion FXM“ auf der Hochalm, nachdem er mehr als ein Monat lang projektiert hatte. Nach der Erstbegehung schätzt Grasegger die Route auf eine Schwierigkeit von M12-, wobei die Mixed-Kletterskala von M1 bis M14 reicht. Wie überall ist die Skala nach oben hin unlimitiert. Lieber Robert, wir gratulieren Dir zum Durchstieg – gesendet!!

Im Folgenden erhälst Du von Robert höchstpersönlich eine kurze Beschreibung der Route, wie Du dort hin kommst und was es mit der Tour auf sich hat. Exklusive Einblicke über die Beweggründe die Route zu klettern, wie er sich vorbereitet hat, was alles in der Projektierphase geschah und welches Fazit er aus diesem Erlebnis gezogen hat werden preisgegeben. 

 

 

 

„Share the Passion FXM“ M12-


 Ein Beitrag von Robert Grasegger im Dezember 2018.
 
 
Location Hochalm, Garmisch-Partenkirchen, Deutschland
Erstbegeher Robert Grasegger, 12/2018
Kletterei Mixed 
Schwierigkeit M12-
Anzahl Express-Schlingen 12
Seillänge 50m Einfachseil
Schuhwerk Mixed-Kletterschuhe
beste Jahreszeit Dezember – März
Charakteristika Konglomerat / Nagelfluh
 

Zustieg

Parken kannst Du bei der Talsation der Kreuzeck-Alpspitzbahn in Garmisch-Partenkirchen. Der Zustieg zum Eisklettergarten erfolgt entweder (eindeutig die bequemere Variante) mit der Bahn oder zu Fuß. Die Gehzeit beträgt ungefähr zwei Stunden. Hier folgst Du der Skipiste in Richtung Bergstation. Am besten gehst Du mit den Ski von der Station dann Richtung Hochalm, was ewa 10 Minuten dauert. Du kannst es nicht verfehlen, die Eiszapfen sind schon von der Bergstation zu sehen. 

 

Beschreibung zur Tour

„ShAre the PAssion FXM“ kann als reine Drytooling-Tour begangen werden. Eiszapfen können, müssen aber nicht verwendet werden. Außer dieser neuen Tour sind bereits schon einige andere Mixed-Routen auf der Hochalm, die mit einer Schwierigkeit ab dem Grad M7 beginnen. Näheres kannst Du im Eiskletterführer Bregenz bis Garmisch lesen, wo auch die restliche Topo nachgeschlagen werden kann. Im Bild siehst Du, wie die Tour verläuft.

 

Dieses Bild wurde im Herbst aufgenommen.

 

 

Was hat mich zur tour bewegt?


Was für einen Sinn kann es haben einen Monat lang nur eine einzige Tour zu projektieren? Das ist eine durchaus berechtigte Frage. Hinzu kommt, dass der Zustieg schon etwa 1000 Höhenmeter beträgt und in der Zeit des Projektierens keine Bergbahnen fuhren. Zudem waren die Wege teilweise vereist und zwischenzeitlich auch zu wenig Schnee, um den Zusteig mit den Tourenski zu bewältigen. Natürlich spielen zu dieser Jahreszeit auch noch die kurzen Tage mit, was oftmals Abstiege in der Dunkelheit erforderte.

Doch genau diese Anstrengungen sind es,  die mich dazu motiviert haben solch ein Projekt anzugehen. Hinzu kommt der unglaubliche Luxus, dass um diese Jahrzeit kaum eine Menschenseele dort oben anzutreffen ist – totale Ruhe und keine Ablenkungen.

Die Route wollte ich ursprünglich mit einem sehr guten Freund erschließen. Wir hatten vereinbart, dass wir das Projekt 2018 in Angriff nehmen würden. Unser Plan war es die Route „by fair means“ – sprich so gut es geht auf alle technischen Hilfsmittel, die den Aufstieg erleichtern – zu erschließen. Leider ist er im Winter 2018 tödlich verunglückt, was meine in mir wachsende Leidenschaft für dieses ursprünglich gemeinsam geplante Projekt nun noch unaufhaltbarer machte. Mit dieser Tour wollte ich unsere Idee zu Ende denken und das Projekt vom Kopf an den Fels bringen

 

 

Wie habe ich mich vorbereitet?


Die Linie war das ganze Jahr über in meinem Kopf, nun war es an der Zeit sie umzusetzen. Während die Kletterszene im goldenen Herbst die sonnigen Tage an der warmen Felswand genoß, begann ich bereits mit den Eisgeräten zu trainieren. Um meine Form zu sondieren ging ich an den Fels und kletterte gezielt schwerere Touren, die mich an meine Grenzen brachten und herausforderten. Nach den ersten hart erkämpften Erfolgen fühlte ich mich endich bereit das Projekt zu starten – es gab keine Ausreden mehr.  Mit Klebehaken, Kleber und einem Aggregat ausgestattet ging es hinauf zur Hochalm, um die erforderlichen Hacken zu setzen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich  keine Ahnung ob die Route überhaupt kletterbar sei, wie schwer sie wird oder ob die Linie überhaupt schön ist. Nachdem alle Haken gelegt waren und der Kleber getrocknet war, ging es endlich mit dem Projektieren los. 

 

 

wie ist die projektierphase abgelaufen?


Gesagt getan.  Doch bevor es richtig los ging, musste die Route zunächst ein erstes Mal ausgebouldert werden, um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen. Dadurch wurde mir zum einen recht schnell klar, dass es nicht leicht werden wird. Aber es zeichnete sich ebenfall ab, dass die Linie definitiv kletterbar ist. 

Auch wenn das Ziel zu Beginn noch in weiter Ferne lag, so wurde es doch durch jeden Tag, denn ich beim projektieren in der Route verbrachte etwas greifbarer. Die Freunde, die mich immer wieder begleiteten, halfen mir sehr dabei die Route immer wieder aus neuen Blickwinkeln zu betrachten, andere Griffe zu finden, manche Dinge anders anzugehen und mich selbst nicht so sehr unter Druck zu setzen. Der leckere, frisch aufgekochte Kaffee, den ich ihnen oben servierte, half sicherlich dabei sie davon zu überzeugen mit mir den langen Weg zur Hochalm zu beschreiten. 

 

 

 

 

Der Herbst ging langsam aber sicher immer mehr in den Winter über. Die immer kühler werdenden Temperaturen von bis zu -20 Grad machten die Aufenthalte, trotz der nun immer schöner werdenden Aussicht, auch immer ein Stück unangenehmer

Ich wusste noch nicht, dass der finale Tag gekommen war, als ich bei -15 Grad ein weiteres Mal mit einer guten Freundin zur Hochalm hinaufgestieg. An diesem Tag war es wirklich saukalt und mit dem kalten Wetter stiegt die Motivation auch nicht gerade in unermessliche, sondern bewegte sich, wie auch die Außentemperatur, eher gegen 0 und noch weiter sinkend ins Negative. Doch ich hatte mir fest vorgenommen auch trotz der eisigen Kälte nicht so schnell aufzugeben auch wenn ich langsam das Gefühl in den Fingern verlor. Ich war echt frustriert, da in der nächsten Woche der Skibetrieb losgehen sollte und somit dann leider auch Schluss mit der geliebten Ruhe ist.

Als ich auf einmal zwei meiner besten Freunde und meine Schwester sah, die „nur mal auf einen Kaffee vorbeischauen“ wollten, freute mich das wahnsinnig… fast als gab mir der unerwartete Besuch die verlorengegange Motivation zurück. Wir gönnten uns  einen Kaffee aus der Bialetti, legten gute Musik auf und genossen die gemeinsame Zeit. Die Stimmung war perfekt und so entschloss ich mich es noch ein weiteres Mal für diesen Tag anzugehen. Doch dieses Mal war es irgendwie anders. Während des Kletterns fühlte ich  auf einmal eine Art Erleichterung. Der ganze Druck, Stress und all die ablenkenden Gedanken waren aufeinmal weg. Ich war total entspannt – es gab nur mich, den Fels und meine Eisgeräte. Nichts anderes konnte mich ablenken. Der Flow war wieder da! Clip für Clip, Hook für Hook tanzte ich durch die Route, bis ich schließlich beim Top angekommen war! Diesen Moment können Worte gar nicht beschreiben. Ich habe es geschafft!

 

 

 

Welchs ResümeE kann ich ziehen?


Da ich noch nie eine solch harte Route geklettert bin, möchte ich den finalen Berwertungsvorschlag erfahrenern Mixed-Kletterern offen halten. Ich persönlich würde sie als M12- Route bewerten.

Ich möchte an dieser Stelle bei allen bedanken, die mich unterstützt haben, die mich gesichert haben, die mich motiviert haben, die mich beruhigt haben und die mir das nötige Material zur Verfügung gestellt haben. Ich bin dankbar, dass ich dieses Abenteuer mit euch teilen konnte. Ohne euch hätte ich es nie geschafft und somit seid ihr alle Teil dieses Projekts. Danke Karl Rothfuß, Monika Grasegger, Andreas Schirmer, Jan Schneider, Markus Dorfleitner, Veronika Schirmer, Mira Naumann, AC Roller, Thomas Holler, Jürgen Oblinger, Bernhard Bliemsrieder, Lukas Kriegler, Laura Dahlmeier ohne Euch hätte ich diese Tour nie klettern können.

Ich möchte diese Route meinen Freund Franz-Xaver Mayr, besser bekannt als Xari, widmen, der in diesem Jahr im Januar beim Eisklettern in Südtirol gestorben ist. Gemeinsam haben wir diese Route entdeckt und ich bin mir sicher, dass er sie ebenso gerne geklettert wäre. „Das Leben ist kurz. Lebe deine Träume. Und teile deine Leidenschaft mit jenen, die dich bei Deinen Abenteuern begleiten„.

 

 


 

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