Nomi Baumgartl über „Eagle Wings – protecting the Alps“ – vorgestellt im neuen Sport Conrad Katalog

Sie ist eine international anerkannte und preisgekrönte Foto-Künstlerin. Nomi Baumgartl arbeitet auf der ganzen Welt an ihren Projekten. Immer mit dem Ziel, Verbindungen und komplexe Zusammenhänge zwischen Mensch, Tier und Natur, Ozean und Erde aufzuzeigen. In ihrem Projekt „Eagle Wings – Protecting the Alps“ will sie in 5 Alpenländern die verschwindenden Gletscher dokumentieren – auch mithilfe von Adlern, die mit einer Kamera ausgestattet sind und in Zusammenarbeit mit der Deutschen Luft und Raumfahrt  DLR und dem Earth Observation Center EOC, dem großen Auge aus dem Weltall. Der Fokus liegt auf den verschwindenden Alpengletschern.

 

In unserem aktuellen Sport Conrad Katalog wird das Projekt vorgestellt, im Interview erklärt Nomi Baumgartl warum ihr der Schutz der Gletscher so wichtig ist.
 

Hallo Nomi, was geht Dir durch den Kopf, wenn Du in Richtung Zugspitze blickst?
Mir geht vieles durch den Kopf. 2014 fotografierte ich die letzte Abdeckung  des Schneeferner und seitdem begleite ich ihn wie er verschwindet. Damals hat es mich sehr bewegt, bis heute, diesen Sommer waren nur noch die Reste zu sehen. Ich kehre immer wieder zu ihm zurück, in einem stillen Dialog. Auch für den Bildband über die Zugspitzregion, an dem ich in Kooperation mit GaPa Tourismus, arbeite. Auch sie sind stolze Partner des Eagle Wings-Projekts.
 

Der Klimawandel zeigt sich nicht nur bei uns. Du hast auch ihn auch in Grönland beobachtet.
Ja, damals – das war von 2012 bis 2013 – verwirklichte ich mit einem Team ein großes Foto- und Filmkunstprojekt in der Arktis – „Stella Polaris“. 2009 -2010 war meine Pionierarbeit dafür mit dem Titel „Arctic Message“.  Dort wurde mir der Klimawandel mit seinen Auswirkungen richtig bewusst. Die Gletscher schmelzen sogar im Winter durch die innere Erwärmung. Ich hab‘ mich anschließend mit dem Thema sehr intensiv auseinandergesetzt und mir ist immer mehr bewusst geworden, wie alles miteinander zusammenhängt und den Menschen die  globalen Zusammenhänge nicht bewusst sind.
 

Du bist nach Grönland auf die Idee zu EagleWings – Protecting the Alps gekommen. Wie kams?
Mir ist einfach klar geworden, dass das, was in Grönland passiert Auswirkungen auf den gesamten Globus hat. Auch auf unsere Alpen. Wir alle sind vom Klimawandel betroffen. Mit diesem Projekt möchte ich diese Bewusstseinsarbeit anstreben. Ich hatte immer das Gefühl, die Menschen glauben, dass der Polarkreis weit weg ist und sie der Klimawandel nichts angeht.
 

Viele verleugnen ja auch den Klimawandel.
Ja, leider ist das so. Ich möchte mich nicht darüber auslassen – das steht für sich. Tatsache ist jedoch, seit der Mensch seinen ökologischen Fußabdruck auf der Erde hinterlässt – also seit der Industrialisierung durch den Einfluss des Menschen – gibt es diese klimatischen Veränderungen. Das Problem ist, dass sie immer gehäufter auftreten und immer deutlicher werden. Und das betrifft auch uns im Alpenraum. Die Alpen und ihre einzigartige Kulturlandschaft sind das wilde Herz Europas – auf diesen Herzschlag sollten wir hören.
 

Erzähl uns etwas über das Alpenschutz-Projekt EagleWings – wie ist der Stand der Dinge?
Die Entwicklungsarbeit von 2 Jahren  ist jetzt geschafft – ein großer Meilenstein liegt hinter uns. Eng an meiner Seite der Mann mit der Adlererfahrung, Helmut Achatz, selber Alpinist und u.a. Gleitschirmfluglehrer und Projektleiter bei EagleWings. Das Einzigartige an dem Projekt ist, das es auf drei Ebenen umgesetzt wird. Mein Auge steht für Fotokunst und ich verstehe mich als Bodenpersonal des Adlers und für das begrenzte menschliche Auge. Das Goal des Projektes ist eine alte Indianerweisheit der Irokesen und ist die Mission des Projektes , das Projekt nachhaltig für die nächsten Generationen umzusetzen  „Wir müssen den Blick des Adlers einnehmen um für die nächsten Generationen die richtigen Entscheidungen zu treffen“. Durch das große Auge aus dem Weltall haben wir den entferntestes Perspektive, die Satellitenbilder aus der Erdbeobachtung. 

 

Wie sehen die Bilder des großen Auges aus?
Wissenschaftler lesen diese Bilder wie ein MRT oder X-Ray und liefern ihre Diagnostik , wie es den Gletschern geht und wie die globalen Zusammenhänge sind. Wir sind sehr stolz, dass wir den wissenschaftlichen Background für das Projekt von namhaften Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt bekommen. Prof. Dr. Rast, der Vizepräsident der ESA ( Europäische Weltraumorganisation ) hat es auf den Punkt gebracht:  „We have the information, Eagle Wings has the emotion.“ Eine ideale Zusammenarbeit, um Menschen zu berühren und um über den persönlichen Fußabdruck nachzudenken – ohne nur mit Daten und Fakten zu erschrecken. 

 

Wie setzt Ihr das im Projekt um?
Die Adler sind vom Falkner von Hand aufgezogen und speziell ausgebildet und fliegen mit einer Spezialkamera ausgestattet über die verschwindenden Gletscher. Der Adler steht hierbei für die Natur und fasziniert Menschen. Ihn kann man nicht steuern, wer ist von der Thermik abhängig. Unser Kooperationspartner und Botschafter ist der wunderbare Falkner Jaques Olivier Travers. Er hat bereits weltweit übertragene Kameraflüge gemacht – zum Beispiel vom Mont Blanc und dem Burj Kalifa. Wirklich ganz sensationelle Sachen und ein weiterer wichtiger Aspekt seiner Arbeit ist, er setzt sich weltweit für bedrohte Vogelarten ein. 

 

Es sind überhaupt viele tolle Kooperationen entstanden oder?
Absolut. Ihr (Sport Conrad) seit einer davon (lacht)  Federführende Wissenschaftler  die sich mit dem Klimawandel im Alpenraum beschäftigen, konnten wir ebenfalls für unser Projekt begeistern. Wir haben aber noch viele weitere tolle Partner dabei. Und tolle Botschafter. Den Journalisten Ranga Yogeswahr, die Moderatorin Sabine Christiansen, Julian Lennon, den Vizepräsident der Europäischen Weltraumorganisation Professor Dr. Michael Rast, und Angaangaq Angakkorsuaq. Er ist ein Schamane und Ältester der Eskimo Kalaalit aus Westgrönland. Und ein weiteres und wichtiges Highlight sind unsere Klangpartner des Projektes. Peter Stannecker, mit seiner einzigartigen Musikergruppe VUIMERA .

 

Auch im neuen Sport Conrad Katalog wird Dein Projekt vorgestellt. Was bedeutet das für Dich und das Projekt?
Wahnsinnig viel. Es ist toll, dass Ihr uns damit eine Plattform gebt und wir damit viele Menschen erreichen können. Billi Bierling und Gerlinde Kaltenbrunner halten ja im Katalog einen Dialog über 4000 Meter Höhe – das ist auch ein absolutes Highlight. Ich bin sehr dankbar und stolz über Eure Unterstützung. Wir sind alle ein Teil vom Ganzen und nur in einem Kollektiv haben wir eine Chance für positive Veränderungen .

 

Wann kann das Projekt starten?
Mit viel Glück  noch dieses Jahr. Es hängt alles von der weiteren Finanzierung ab, bis dato haben wir diese selbst geleistet . Wir haben viele Partner, suchen aber noch die ethisch richtigen Investoren, die mit dem multimedial angelegten Projekt  einen großen Image Gewinn erzielen können. 

 

Eine letzte Frage: Warum liegt Dir das Projekt so sehr am Herzen?
Das Projekt ist für mich sehr emotional und soll auch emotionalisieren. Mein Ziel ist es nicht den gehobenen Zeigefinger auszustrecken. Ich liebe die Erde, die ich am liebsten mit meinen Augen ständig umrunden würde, wie ein Satellit. „Vom Weltraum aus betrachtet , können wir erkennen wie zerbrechlich unsere Erde ist“ dieses sinngemäße Zitat von dem Astronauten Edgar Mitchell hat mein Herz tief berührt.  Unser Heimatplanet ist ein Juwel, den es zu beschützen gilt. Ich darf hier leben und es ist mir einen Herzenswunsch , einen Beitrag zu leisten, mit all meinen Erfahrungen , die ich machen durfte. Die Schönheit der Alpen zeigen mit dem König der Lüfte, dem Adler, seinen Lebensraum, den es zu beschützen gilt. Die Schönheit der Gletscher , die nach und nach verschwinden werden. Ich kann nur den Impuls liefern. Alles andere ist grösser als ich, daher braucht es ein begeistertes Kollektiv, das sich für Eaglewings -Protecting the Alps begeistern und beflügeln lässt.

Foto:©UllaLohmann