Yosemite – Klettern im Hippie Valley

Robert  Grasegger und Alexander Wick haben viele schweißtreibende Routen des Yosemite Parks bezwungen, sowohl die weitbekannten Must-Kletter-Wände, als auch weniger bekannte Teile des Nationalparks. Zwischendurch gab es neben Unwetter, Wellnessoasen auch verbotene Nächtigungen und jede Menge Dosenravioli.. 

 

Ein guter Start ins Vergnügen: Klettern durchs Unwetter am Half Dome


„Sollen wir abseilen?“ ruft Robert durch den Regen zu mir hinauf, „Die Tschechen ziehen sich auch zurück!“. Nass bis auf die Haut und zitternd, hadere ich noch mit der Entscheidung. „Warten wirs kurz aus, vielleicht zieht’s ab!“ Kaum habe ich die Worte ausgesprochen zieht der erste Blitz über den Horizont und der Donner rollt. Wir hängen in der Mitte der Nordwand des Half Domes, kein Guter Platz um ein Gewitter auszusitzen und so ziehen wir uns zurück. Gemeinsam mit den Tschechen seilen wir ab. Die ersten Abseiler sind interessant, wir befinden uns gerade über der Länge die vor etwa 2 Jahren einen Bergsturz erfahren hat. Was übrig geblieben ist wird heute durch umständliche Seilmanöver und Pendelquergänge überwunden, die Stände sind bescheiden aber lassen sich gut verbessern. Der Seilerste darf nun die nicht unerheblichen Quergänge zurückpendeln um einen Seilstrang zu fixieren, sodass die anderen sich über den anderen Strang und eingehängte Traction seitwärts ablassen können.

Klingt komisch, funktioniert aber gut. Danach geht’s ziemlich geradlining in acht weiteren Abseilern zum Boden. Nach etwa einer Stunde hört der Regen auf, das Gewitter zieht weiter aber noch immer läuft das Wasser in Strömen die Wände hinab. Die T-Shirts trocknen, Müsliriegel und Trockenfrüchte werden herumgereicht, die Stimmung und vor allem die Körpertemperatur steigt wieder.

Den Zustieg zum Half Dome hatten wir einen Tag zuvor bei glühender Hitze am angeblich heißesten Tag des Jahres (100°F = 38°C) begonnen. Daune? Regenjacke? Fast&Light war die Devise und so wurde, mal wieder, nur das vermeintlich nötigste gepackt. Seit nicht ganz 72h waren wir jetzt in den USA, da wir es, natürlich, nicht abwarten konnten und direkt vom Flughafen aus ins Yosemite gefahren sind. „Erstmal was kleines“ war der eigentliche Plan aber nachdem wir den Highway 120 ins Valley hinabfuhren und die Granitmauern vor uns sahen konnten wir uns nicht zusammenreißen und mussten es einfach, trotz Hitze und Jetlag, direkt versuchen. Tourenplanung par excellence. Klar eigentlich, dass man da auf die Schnauze fliegt.

Jan seilt im Regen ab, er hat an seine Jacke gedacht!

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Ein bisschen Wellness inbetween – Denn aus Fehlern lernt sich


Der Wetterbericht für die kommenden Tage brachte keine Besserung und kündigte weitere Gewitter und Schauer an. Der Tscheche Jan hatte uns als Geheimtipp ein paar heiße Quellen östlich des Parks empfohlen und so brachen wir wieder auf und fuhren über Tuolumne und Lee Vining (mit Zwischenstopp im absolut empfehlenswerten „Whoa Nelli Diner“) zu Wild Willys Hot Springs. Von einem unspektakulären Schotterparkplatz im nirgendwo folgt man hier einem kurzen Pfad hinab und stößt plötzlich auf drei flache aber klare und von großen Steinen gesäumten Tümpeln mit bestem 40°C warmen Wasser. Unserer Wellness-Oase für die kommenden Wochen. Entspannt und sauber konnten wir also nun unsere nächste Tour planen. Sind wir so schlau und versuchen uns erst mal an etwas kleinerem? Die Kletterei ist hier ja schon eine andere als bei uns zu Hause, ein wenig Gewöhnung kann da sicher nicht schaden. Nix! Der Half Dome war Übung genug, jetzt müssen wir warm sein entscheiden wir und packen die Sau (unseren Haulbag) mit 27l Wasser und Essen für 4 Tage. Und Regenjacken. Die liegen dieses mal sogar oben auf. Fast&Light ist abgesagt, Slow&Heavy heißt das neue Credo, denn es geht, na klar, an den Kapitän und die Nose. Eine Seilschaft hängt bereits in der Nose, und ist, wie wir von der Straße aus gut sehen können, auf dem Weg zum Dolt- oder sogar noch El Cap Tower. Japaner, wenn wir richtig gehört haben. Ansonsten sehen wir niemanden. Kein Auto parkt an der Straße, von nirgends hallt das obligatorische „off belay“ der Kletterer. Es ist September und damit eigentlich Hauptsaison am El Cap, der Wetterbericht ist ideal für die nächsten Tage, warum also ist niemand am klettern? Die Antwort ist einfach: Waldbrände. Dutzende davon haben sich im gesamten Yosemite National Park ausgebreitet und schon bei der Einfahrt in der Park durften wir durch so manche dichte Qualmfelder fahren. Die Luft ist ein wenig kratzig und es riecht stark nach Rauch. Sollen wir da wirklich klettern? Klar! Die Nose so gut wie für uns allein, das gibt es nicht so oft also los! Die ersten 4 Seillängen bis zum Sickle ledge klettern wir recht zügig technisch und mit schönen Pendlern noch, am Tag bevor wir wirklich einsteigen und fixieren 3 Seile bis zum Boden. So macht man das hier, haben wir gehört. Die Campingplätze sind natürlich trotz der Waldbrände sämtlich belegt und so schlafen wir eine Nacht im Kofferraum auf dem Parkplatz vom Half Dome-Village (illegal und nicht empfehlenswert). Um 5.30 brechen wir auf, laufen den kurzen Pfad zum Wandfuß und Jümaren unsere fixierten Seile wieder hinauf. Wir kommen erstaunlich gut vorwärts und auch das Haulen der gut 35kg schweren Sau geht gut von der Hand. Robert joggt und pendelt die Stoveleg Cracks teils frei, teils technisch hinauf und ich übernehme die Offwidth Längen auf dem Weg zum El Cap Tower.

 

6_LedgeRobert (und die Sau) auf dem Biwakband am El Cap Tower

 

Hier kommen wir mit noch genügend Reserven an um auch gleich noch die nächsten beiden längen bis zur Boot Flake zu fixieren. Dazu muss zunächst die Texas Flake erklettert werden. Die in ihrer Form tatsächlich dem namensgebenden Bundesstaat ähnelnde Schuppe ist komplett von der Wand abgelöst und muss auf ihrer Ruckseite durch einen etwa 15m hohen, bis auf einen rettenden Bohrhaken nicht absicherbaren, Kamin erklettert werden. Dazu stemmt man den Rücken auf die eine und die leicht gebeugten Beine gegen die andere Seite und arbeitet sich Stück für Stück höher. Was zuerst furchtbar erscheint macht schon bald große Freude und funktioniert wirklich gut. Danach darf Robert noch einmal sehr technisch an Mikrokeilen und –friends die Bootflake hinaufaiden, das zweite Seil fixieren und unser Tagwerk ist geschafft: 16 Seillängen El Cap liegen hinter uns, es gibt vorgekochte Spaghetti mit Pesto, Trailmix und etwas mehr Wasser als für den ersten Tag eingeplant war. Die Nacht auf dem Biwakband vom El Cap Tower ist äußerst bequem und sternenklar. Der Qualm scheint nur den Talboden zu betreffen, selbst die Luft riecht in der Wand nur wenig nach Rauch. Gut gelaunt stehen wir kurz vor Sonnenaufgang auf, Frühstücken, Jümaren unsere zuvor fixierten Seile hoch und stehen auf der Boot Flake. An der Boot Flake beginnt eine der großartigsten/beklopptesten Seillängen überhaupt: die King Swing. Dieser weltberühmte Pendler besteht darin, dass der Seilerste etwa 30m über die Schuppe abgelassen wird um im Seil hängend an der Wand entlang zu rennen und ein kleine Kante zu packen die an der ansonsten ausnahmslos glatten Wand nicht anders erreicht werden kann. Mit einer gewissen Portion Angst im Bauch lässt Robert mich über die Schuppe ab. „Weiter, Weiter!“ rufe ich als ich realisiere, dass ich noch etwas tiefer muss „Stopp!“ Die rettende Kante ist zwar nicht zu sehen aber ich habe das Gefühl auf der richtigen Höhe zu sein. „Ich versuch’s mal!“ rufe ich Robert zu der, die Kamera im Anschlag, den Daumen hoch gibt. Die kleine Kante soll recht weit weg liegen habe ich gelesen, man muss also wirklich Vollgas geben beim Pendeln und so stoße ich mich ab und renne drauf los während ich versuche nicht an mein Seil zu denken, dass über mir an der Boot Flake scheuert. Nach vielleicht 5m reicht mein erster Schwung schon nicht mehr, dafür kann ich die Kante erkennen und die ist in der Tat weit Weg, bestimmt 15m müssen gependelt werden. „Auf geht’s“ feuert Robert mich an, und weiter geht’s. Ich nutze den ersten Schwung und komme dieses mal schon eine ganze Ecke weiter, aber eben noch nicht bis zur Kante. Es geht wieder zurück, 400m freie Luft unter mir renne ich an die andere Seite und gebe noch einmal Gas, drücke mich ab, sprinte wieder vor und, als mein Schwung nicht ausreicht mich weiter zu tragen, springe auf die Kante zu. „Yeah!“ alle Viere von mir gestreckt und nur noch mit den Fingerspitzen Kontakt zur Wand habe ich die Kante erreicht. Jetzt heißt es nur nicht mehr loslassen.

 

7_King-SwingDie King Swing

 

Es folgen ein paar leichtere Längen die wir schnell abspulen, dann wartet schon das nächste Highlight des Tages auf uns, das Great Roof. Dieses von weither erkennbare Dach ist eine der imposantesten Felsstrukturen der ganzen Route. Ein schmaler Fingerriss trennt das Dach sichelförmig von der ansonsten völlig strukturlosen, glattpolierten Wand des Kapitäns. Nur leider sind wir hier nicht allein. Die Japaner (Vater und Sohn) sind gerade äußerst umständlich dabei durch das große Dach zu technisieren. Ob sie uns vorbeilassen? Ja geht in Ordnung, nur stehenbleiben und warten will hier keiner, denn jeder will noch vor dem Dunkelwerden einen halbwegs bequemen Schlafplatz zu erreichen und die gibt es hier nur begrenzt. Na dann eben Seilsalat. Während der Japaner-Papa noch dabei ist das große Dach zu verlassen und Stand bezieht, steigt Robert ein. Schnell und souverän steigt er an viel fixem Material und eigenen Mikrofriends auf und lässt sich nicht einmal vom Japaner-Junior aus der Ruhe bringen der bei einem Nachsteiger Pendler auf ihn fällt. Meter um Meter technisiert Robert sich weiter und bezieht neben den Japanern stand.

 

8_Great-RoofRobert im Great Roof (mit fliegenden Japanern)

 

Windig ists hier und gemütlich ist so ein Hängestand auch nicht, daher startet Robert kurz nach dem Japanischen Vorsteiger in die nächste Länge, die Pancake Flake. Doch dauert es nicht lang, da hat Robert den nächsten Japaner auf dem Rücken liegen, naja fast. Der Papa hat einige Meter über Robert einen schlechten Friend gelegt. Als er diesen belastete kamen Friend und Japaner hinabgesegelt und, zum Glück, kurz über Robert zum stehen. Irgendwie zieht er die heute magisch an. Passiert sei nichts, doch vorbei lassen würden sie uns jetzt. Ideal. Robert sprintet vorbei, hault die Sau zu sich und ich jümare hinauf. Die fliegenden Japaner hinter uns gelassen sind wir motiviert und marschieren noch kurz bevor es Dunkel wird weiter zum Camp VI. Vater und Sohn bekommen Camp V, so haben alle Platz und wir morgen einen kurzen Tag. Nur noch 5 Seillängen trennen uns vom Gipfel!

Camp VI ist zwar deutlich komfortabler als Camp V, aber es ist stark geneigt und stinkt nicht wenig. Nun denn, Dosenravioli heben die Laune gleich deutlich, genauso wie der unglaubliche Sternenhimmel über uns. Nach einer dann doch ziemlich ungemütlichen Nacht geht es am nächsten Morgen direkt mit einer weiteren Berühmtheit los: die Changing Corners. Mehrere Nicht ganz solide Placements und Mikrokeile sind hier nötig um die wortwörtlichen Verschneidungen zu wechseln, doch es geht alles in allem recht problemlos.

Die nächsten Längen bieten imposante Tiefblicke und merkwürdige, teils sehr anstrengende Offwidthund Verschneidungskletterei bis dann die letzte Länge nur noch aus einer Hakenleiter und leichter Wandkletterei besteht. Während Robert die letzten Meter klettert höre ich unter mir Stimmen. Die Japaner? Nein so schnell können die nicht geworden sein und dann höre ich auch Englisch. Zwei Speedkletterer „rennen“ gerade die Changing Corners hinauf. Überholen die uns jetzt auch noch? Nein, denn da höre ich Roberts erleichterten „Staaaaand!“ Schrei. Der Haulbag wird hochgezogen und ich jümare die letzte Länge hinauf und werde von einem breit grinsenden Robert mit Handschlag am El Cap Tree, dem berühmten Gipfelbaum, erwartet.

Robert über Camp V und Japaner am Ausstieg der Pancake Flake

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 Es ist Mittag und so genießen wir schweigend und zufrieden eine Dose Ravioli während wir auf die beiden Speed-Begeher warten. Die lassen nicht lange auf sich warten, heißen Roger und Tom und zeigen uns prompt den nicht ganz einfachen Abstieg vom Gipfel. Unterwegs erfahren wir das Roger bereits 47 mal den El Capitan bestiegen hat und Autor von zahlreichen Yosemite Führern ist. Gierig holen wir uns Tipps über die schönsten Routen und am Abend sitzen wir schon wieder in den heißen Quellen.

 

12_RouteRoutenübersicht und klassische Pose

 

Aufgeben gibt es nicht  – also nochmal zum Half Dome


Nach einigen Ruhetagen in der Sonne kitzelt es dann schnell wieder in den schon fast verheilten Fingern. Die Temperaturen sind etwas gesunken und so planen wir einen zweiten Versuch am Half Dome. Wie schon beim ersten Versuch gehen wir auch dieses mal ohne Haulbag und nur mit einem größeren Rucksack für den Nachsteiger. Wir planen ein Biwak unter und eins in der Wand auf dem Big Sandy Ledge. Am Abend bevor wir uns an den mühsamen Zustieg zum Half Dome machen riskieren wir es noch einmal und schlafen erneut im Kofferraum auf dem Parkplatz im Half Dome Village. Doch das war leider einmal zu viel. Nachts klopft es wild gegen die Heckklappe und eine Taschenlampe reißt uns aus dem Schlaf. Verdammt. Eine zum Glück recht freundliche Rangerin weist uns darauf hin, dass das Schlafen im Auto verboten ist und fordert uns auf den Park zu verlassen. Wir kommen zwar ohne Bußgeld (angeblich 270$ pro Person!) davon aber dürfen mitten in der Nacht noch einmal 40 min bis nach El Portal fahren um hier neben der Straße zu schlafen. Willkommen im Land der Freiheit… Zum Glück haben wir noch Whiskey übrig. Nicht wirklich erholt fahren wir am nächsten morgen zurück ins Valley, Parken im Village und marschieren los. Der Zustieg ist dieses mal deutlich weniger schweißtreibend aber bleibt anstrengend. Wasser gibt es im September am Wandfuß keines mehr daher heißt es auch hier kräftig schleppen wenn man ca. 2-3l pro Tag und Person kalkuliert. Wir sind alleine unter der Wand und so suchen wir uns das gleiche bequeme Biwak wie letztes Mal. Die ersten drei Seillängen fixieren wir noch und machen uns dann nach einer Ladung Dosenravioli auch schon auf in die Koje um noch den Schlafmangel vom Vorabend aufzuholen aber auch hier Fehlanzeige. Kurz nach Mitternacht poltern ein paar lose Steine durch den Wald, Äste knacken, Büsche rascheln und holen uns aus einem unruhigen Schlaf. Etwas großes kommt durch den Wald auf uns zu und muss unsere Raviolireste oder die Schokolade gewittert haben: ein Bär. Wir springen auf, schalten die Stirnleuchten ein und brüllen wie bekloppt in die Dunkelheit hinaus. Unsere Stimmen werden vom Half Dome verstärkt und hallen weit durch das Valley. Darauf hat der Bär keine Lust und macht kehrt. An Schlaf ist jedoch trotzdem nicht mehr wirklich zu denken und so dösen wir bis um 4.00, Frühstücken und fangen an unsere Fixseile aufzusteigen. Robert übernimmt die erste Hälfte der Wand, den Teil den wir bereits kennen, und so kommen wir extrem gut voran. Mit Vollgas führt Robert eine Länge nach der anderen und „short fixed“ sogar manche Längen ganz in Speed-Manier. Schon bald stehen wir erneut vor der 12., der ausgebrochenen, Länge und ich übernehme.

Die Pendler und die nicht ganz einfache Cam Hook Kante gehen dieses mal deutlich schneller. Das was danach kommt jedoch nicht. 90m Kamin warten auf uns. Ich muss den kleinen Rucksack zurücklassen um mich den Rücken auf einer, die Beine auf der anderen Seite durch den Schlot zu scheuern. Beim Jümaren hat Robert es mit einem Rucksack auf dem Buckel und einem zwischen den Beinen baumelnd nicht viel leichter und kommt keuchend bei mir an. Es folgt ein Traumriss hinauf zum Big Sandy Ledge. Eigentlich wollten wir hier biwakieren, doch sind wir gut in der Zeit und riskieren es weiter zu gehen. Die nächsten Längen werden teils wirklich schöne Risskletterei mit oft interessanten technischen Passagen. Während die Sonne die Nordwand des Half Domes in warmes Licht taucht erreichen wir das Thank God Ledge.

 

14_Thank-God-LedgeRobert auf dem Thank God Ledge

 

Im Dunkeln geht es dann noch über eine letzte unangenehme Plattenseillänge und wir stehen kurz nach neun auf dem Gipfel, fallen über die Nudeln her und in unsere Schlafsäcke hinein. Heute schlafen wir gut und erwachen am nächsten Morgen zu einem großartigen Sonnenaufgang.

 

15_BiwakMorgenstimmung im Gipfelbiwak

 

Mit Freunden aus der Heimat geht es weiter durch den Yosemite


Unsere beiden Hauptziele abgehakt, gönnen wir uns etwas Pause und kehren einige Tage später mit Verstärkung ins Valley zurück. Kathl und Matthias, auch aus Garmisch, sind auf einer USA Rundreise und gemeinsam wollen wir ein paar der kürzeren Klassiker im Yosemite klettern. Wir beginnen mit dem Nut Cracker und dem Central Pillar of Frenzy, zwei wirklich großartige Routen, mit tollen Rissen, Dächern und Verschneidungen, doch überall ist Stau. Nur im furchtbaren Generator Crack treffen wir niemanden. Schlange stehen beim Klettern ist allerdings nicht so unser Fall also sagen wir uns, gut vielleicht dann doch noch mal etwas größeres und ziehen zum Lost Arrow Spire. Diese frei stehende Felsnadel kann vom Yosemite Village aus gut eingesehen werden und thront neben den Yosemite Falls hoch über dem Valley. Die Kletterei beginnt ereignislos und ist recht schön, dann die Überraschung: der Washington Alpine Club hat die Nacht hier verbracht und ist gerade dabei die letzte Seillänge zu klettern. Ganze drei Stunden brauchen sie dafür. Zum Glück haben wir noch genug Licht und es ist warm ansonsten wäre die Stimmung hier wohl recht schnell gekippt. Wir akzeptieren unser Schicksal und warten den Stau ab, als die Länge endlich frei wird können wir diese in guten 10 Minuten durchsteigen und fragen uns was zum Teufel hier gerade passiert ist. Beim Aufbau der obligatorischen Seilbrücke welche benötigt wird um die Felsnadel des Lost Arrows zu verlassen wird allerdings schnell klar, dass die Jungs aus Washington rein gar nichts von Seilhandling und Organisation verstehen.

 

17_StauGipfelstau vor der Seilbrücke am Lost Arrow Spire ©Matthias Baudrexl

 

Genervt aber auch besorgt, dass sich noch einer von ihnen ins Tal wirft, greifen wir ein und helfen ihnen über die Brücke. Die Seilfahrt vom Lost Arrow hinüber zum Yosemite Point ist ein geniales Erlebnis und macht einiges der Warterei wieder gut.

El Capitan im rauchigen Sonnenuntergang

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Während wir dann endlich, nach einem langen Tag, absteigen schlägt das Wetter um. Dichte Wolken ziehen auf und die Temperaturen fallen. Schneien soll es sagt der Wetterbericht. Im September? In Kalifornien? Können wir uns kaum vorstellen. Mittlerweile haben wir die Schnauze voll von Yosemite und entscheiden uns weiter in die Sierras zu fahren um dort auch mal anderen Fels zu sehen und ungestört klettern zu können. Während wir durch Tuolumne und den Tioga Pass fahren fallen die ersten Schneeflocken, der Wind frischt auf und die Temperaturen fallen weiter in den Minusbereich. Wir verbringen die Nacht auf einem Parkplatz in Lee Vining und lassen uns ordentlich vom Wind durchschütteln. Als wir am nächsten morgen aufstehen sind die Berge weiß und der Tioga Pass ist geschlossen. Das nennt man Timing. Wir verabschieden uns vom Valley und verbringen ein paar gemütliche Klettertage um den Lake Tahoe bevor es dann zurück nach Deutschland geht.

 

19_AbschiedSonnenaufgang am Inspiration Point mit El Capitan und Half Dome im Hintergrund

 

Auch wenn unsere letzten Tagen im Valley aufgrund der Menschenmengen etwas anstrengend waren, so sind wir rückblickend doch voll und ganz zufrieden mit unserem Trip. Wir durften phantastischen Fels klettern und die beeindruckenden Granitmauern vom El Capitan sehen, konnten viele interessante Leute kennen lernen und, das wichtigste, hatten einfach eine riesige Menge Spaß. Ob wir wieder ins Yosemite fahren? Absolut.

 

Vortrag von Alex und robert in unserer garmischer filiale


Du möchtest die beiden Extremkletterer Alex und Robert gerne persönlich kennenlernen? Dann komm am 21. Juni 2018 in unsere Filiale in Garmisch-Partenkirchen und hör Dir die spannenden Stories über ihr Yosemite Abenteuer aus erster Hand an! Der Vortrag der beiden startet um 20:00 Uhr und Du kannst sie anschließend mit Deinen Fragen löchern, die Dir jetzt vielleicht schon auf der Zunge brennen.

→ Hier geht’s zum Facebook Event.

Für mehr coole Fotos, folge den beiden auf Instagram: alex.ander.wick und robertgrasegger!