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Safety First! – Lawinencamps und Sicherheitskurse

Im Alpenraum sterben jeden Winter circa 120 Personen durch Lawinen. 95% der Opfer lösen die Lawine selbst aus, in der sie verunglücken. Vor allem Schneebrettlawinen werden für Wintersportler immer wieder zum Verhängnis…

 

Wer im Winter seine Ski durch unberührten Tiefschnee gleiten lässt, wer steile Hänge im Backcountry der Alpen bezwingen will, der sollte sich auch über die Kehrseite der Medaille im Klaren sein. In nur wenigen Bruchteilen einer Sekunde kann ein Lawinenabgang über Leben oder Tod entscheiden. Nicht nur allein die Erfahrung hilft, in brenzligen Situationen richtig zu handeln, sondern jeder Freerider muss sich bewusst durch einen Lawinenkurs oder ein Lawinencamp mit dem Thema „Lawinen-Sicherheit“ auseinandersetzen.

 

WARUM SIND LVS-KURSE WICHTIG?


Willst Du mit Deinen Freunden zum Freeriden gehen, ist eine gute Vorbereitung essentiell, denn wenn es zu einem Lawinenabgang kommt, ist schnelles und richtiges Handeln überlebenswichtig. Unter Schock zu handeln kann nur dann funktionieren, wenn Du schnell reagierst und ohne lange zu überlegen die richtigen Entscheidungen fällst.  Um dazu in der Lage zu sein, müssen die Handlungsabläufe im Falle eines Lawinenabgangs, die Du unter anderem in einem LVS-Camp lernst, in Mark und Bein übergehen und für Dich zur absoluten Routine werden. Sicherheitstrainings sind daher nicht nur für Einsteiger wichtig, sondern auch für „alte Hasen“, denn genauso wie beim Erste-Hilfe-Kurs, gilt eben auch für LVS-Kurse: Ständiges Wiederholen und Auffrischen schafft Routine und ein schnelles, sicheres Handeln, wenn es darauf ankommt.

Wird man von einer Lawine erfasst und verschüttet, sinken die Überlebenschancen drastisch. Kann sich der Verschüttete selbst eine Atemhöhle unter den Schneemassen schaffen, bleiben ihm in der Regel rund 15 bis maximal 35 Minuten bis der Sauerstoff versiegt und man erstickt. Deshalb sind die beiden Faktoren Schnelligkeit und Koordination die wichtigsten Faktoren bei der Rettung. Das Opfer hat nur dann eine Chance, wenn sich seine Retter nicht nur perfekt mit Sonde, Schaufel und LVS-Gerät auskennen, sondern wenn die Rettungskette schnell und im Team gemeinsam gemeistert wird.

Es geht nicht nur um Dich und Deine Kenntnisse, sondern auch um die Deiner Freunde. Denn letztendlich muss jeder mit allem rechnen. Opfer oder Retter – in welcher Rolle man stecken könnte, weiß keiner im Voraus. In einem LVS-Kurs lernst Du daher die Abläufe, wer was zu tun hat und welche Schritte man nacheinander befolgen muss. Bestenfalls machst Du ein solches Training gleich mit Deinen Freunden, um das Zusammenspiel im Falle eines Unfalls direkt gemeinsam zu üben. Selbst die modernste und beste Ausrüstung hilft nur dann, wenn man sie auch richtig beherrscht.

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WIE EFFEKTIV IST EIN LAWINENRUCKSACK?


Neben Erfahrung, dem richtigen Know-How und einem ständigen Training ist auch die richtige Sicherheitsausrüstung entscheidend. Das wichtigste Equipment für alle Freerider ist eine Sonde, eine Schaufel, ein LVS-Gerät und als individuelle Zusatzausrüstung der Lawinenrucksack.

Über die Frage, was ein Lawinenauftriebsystem wirklich bringt, wird schon lange hitzig diskutiert. Eine internationale Studie, durchgeführt von namhaften Lawinenexperten erschien im Jahr 2014 im österreichischen Magazin „Berg und Steigen„. Die Studie belegt das enorme Potenzial eines Lawinenairbags, denn nur er kann eine Komplett-Verschüttung aktiv beeinflussen, bestenfalls verhindern. Das Ergbenis: Wird ein Lawinenopfer von einer Lawine der Größe 2 (= 10² Tonnen) verschüttet, vermindert ein ausgelöster Lawinenairbag das Sterberisiko von 22 Prozent auf 11 Prozent. Das bedeutet, dass ein richtig eingesetzter Lawinenrucksack circa die Hälfte der Todesopfer verhindern kann.

In unserem Shop findest Du in unserem Sortiment zur Lawinensicherheit noch weitere Ausrüstung, wie Zip-Ons, Kartuschen oder anderes Zubehör. Außerdem erfährst Du in unserem Skitour-Sicherheitsguide weitere wichtige Infos rund um das Thema Lawinensicherheit und wie Du richtig ausgestattet sein solltest.

 

Hansi Heckmair

 


MEHR SICHERHEIT DURCH LAWINENKURSE


Wer gut vorbereitet ist und sich auf den schneebedeckten Hängen sicher fühlt, minimiert das Risiko einer Lawine und kann somit seine Abfahrt in vollen Zügen genießen. Ausreden gelten keine! Denn JEDER – nicht nur Skifahrer, sondern auch Snowboarder – können an Lawinencamps und Sicherheitskursen teilnehmen. Ohne eine entsprechende Ausbildung und ohne das notwendige Wissen, was bei einem Lawinenabgang zu tun ist, hat man im Gelände nichts zu suchen. Mit einem solchen Verhalten bringt man andere unnötig in Gefahr und kann zudem in einer Notsituation nicht richtig helfen!

Verschiedene Hersteller der Sportindustrie bieten entsprechende Kurse an oder arbeiten mit Organisationen oder Verbänden zusammen, um das Bewusstsein der Wintersportler im Umgang mit der Lawinengefahr zu schärfen. Wir haben für Dich eine Übersicht zusammengestellt, in der Du Anbieter, Kursarten und Informationen finden kannst.

 

ÜBERSICHT: LAWINENKURSE IN DEN ALPEN


 

Ortovox Safety Academy

Die SAFETY ACADEMY gilt mit ihren Lawinenkursen als weltweit größte Ausbildungsinitiative zur Lawinenprävention. Ziele der Lawinenkurse sind die Sicherheit und das Risikomanagement für Skitouren und Freeriden im ungesicherten Gelände im Winter. Die Safety Academy bietet drei verschiedene Kursarten in Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz an. Je nach fahrerischem Können und Vorwissen kannst Du zwischen drei Kursarten wählen: Dem Training Basic (1 Tag), Tour & Training Basic (2 Tage) und Tour & Training Advanced (2,5 Tage).

Außerdem bietet die Safety Academy jährlich sogenannte Safety Nights an. Am Abend unter der Woche finden im Winter kostenlose zweistündige Workshops statt, in dem Du die wichtigsten Grundlagen rund um das Thema Lawinensicherheit und Verschütteten-Suche lernen kannst. Die Teilnahme an den Safety Nights ist kostenlos, deshalb gilt: First come, first serve. Maximal zehn Teilnehmer können pro Kurs mit dabei sein. Der beste Weg, immer up-to-date zu sein, ist sich den Ortovox Newsletter zu abonnieren und dadurch alle Termine zu erfahren.

→ Hier geht’s zu allen Lawinenkursen und zu den Safety Nights der Ortovox Safety Academy.

Mammut Alpine School

Einst als Bergschule Uri – Mountain Reality von dem Schweizer Extremalpinisten Alex Clapasson gegründet, übernahm die Mammut Sports Group AG im Jahr 2015 die Alpin-Bergschule. Das Team der Mammut Alpine School besteht aus leidenschaftlichen Bergsportliebhabern und erfahrenen Bergführern. Im Winter stehen natürlich auch hier Lawinen-Sicherheitskurse auf dem Programm, die sich je nach Können und Erfahrung der Teilnehmer unterscheiden in „Grundkurs Lawinen“ und „Auffrischungskurs Lawinen“.

Der Grundkurs richtet sich an unerfahrene Skibergsteiger, dauert in der Regel 2 bis 3 Tage und findet im Rofan Gebirge, in Andermatt oder in den Fideriser Heubergen statt. Die Teilnehmerzahl ist auf 5 – 8 Personen pro Bergführer begrenzt. Darüber hinaus bietet die Mammut Alpine School eintägige Auffrischungskurse an, die im Allgäu oder in Andermatt stattfinden.

→ Hier geht’s zu allen Lawinenkursen der Mammut Alpine School.

 

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SnowHow

Snowhow ist ein Verein aus Innsbruck, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Lawinenkunde als Allgemeinbildung im alpinen Lebensraum kostenlos anzubieten. Neben begleiteten Skitouren bietet der Verein auch kostenlose Lawinen-Camps an. Das Backcountry verwandelt sich zum Lehrsaal, wenn ein Snowhow Berg- und Skiführer die Grundlagen, wie zum Beispiel die Planung des Freeride- oder Tourentages, erklärt. Die eintägigen Camps finden auf der Zugspitze und in Obergurgl statt. Wer selbst keine Ausrüstung hat, kann sich LVS-Gerät, Lawinensonde, Rucksack und Schaufel ausleihen.

→ Hier findest Du eine Übersicht aller Kurse des Innsbrucker Vereins SnowHow.

 

Alpenverein Österreich

Der AV Österreich hat in seinem umfangreichen Programmsortiment auch Sicherheitskurse zum Thema „Lawinensicherheit“ und „Skitouren-Kurse“ aufgenommen. Zum Einen können alle Freeride-Einsteiger im Skitechnik- und Geländekurs an ihrer Fahrtechnik arbeiten und somit sicherer und selbstbewusster auf den Skiern stehen. Andererseits lernt man dort auch Eigenschaften verschiedener Gelände und bei welchen Gegebenheiten man mit erhöhter Aufmerksamkeit abfahren sollte.

Darüber hinaus bietet der AV auch verschiedene Lawinenseminare an, bei welchen auch die Theorie nicht vernachlässigt wird. Beim zweitägigen LVS-Training auf der Glungezerhütte liegt der Fokus auf der Prävention von Unfällen im Backcountry und spricht sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene an. Weitere LVS Workshops kann man auf der Webseite des Alpenvereins finden.

Neben diesen theoretischen und praktischen Workshops veranstaltet der AV eine Vortragsreihe zu Unfallvermeidung und Rettungstechnik im Falle einer Lawine. Alle Vorträge stehen unter dem Motto „Lawinen Update. Kann man aus Lawinenunfällen lernen?“ und werden von Michael Larcher gehalten, einem Bergführer und Leiter der Bergsportabteilung im Alpenverein.

→ Alle Termine rund um das Thema „Lawinensicherheit“ des österreichischen AV kannst Du hier einsehen.

 

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DAV

Der DAV bietet eine Vielzahl an Kursen rund um die Lawinenverschütteten-Suche. Im „LVS-Training Einführung“ sollen die Grundkenntnisse und -fähigkeiten der Suche und Bergung von Lawinenverschütteten mit LVS-Gerät, Sonde und Schaufel vermittelt werden. Im Kurs „LVS-Training Vertiefung“ beschäftigen sich die Teilnehmer mit der Handhabung des eigenen LVS-Geräts und lernen unter anderem das Vorgehen bei komplexen Mehrfachverschüttungen.

Dieselben Inhalte werden jeweils in einem rein englischsprachigen Kurs vermittelt, im sogenannten „Avalanche skills training“ Basic und Advanced Kurs. Weitere Sicherheitskurse hat der DAV speziell auf Skibergsteiger, Snowboard-Bergsteiger und Freerider ausgelegt. Hier können die Teilnehmer jeweils zwischen Grund- oder Aufbaukursen wählen. Sektionsmitglieder des DAVs erhalten alle Kurse zu einem ermäßigten Preis. Junior Mitglieder (bis 25 Jahre) können auch zu einem vergünstigten Preis teilnehmen.

→ Hier geht’s zur Übersicht aller Lawinen- und Sicherheitskurse des DAV.

 

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SAAC – Snow & Alpine Awareness Camp

Es ist nie zu früh, um sich mit den alpinen Gefahren auseinanderzusetzen. Bei den SAAC Camps sind bereits Jugendliche ab 14 Jahren willkommen und lernen Eigenverantwortung zu übernehmen und richtiges Handeln in Notfallsituationen. Seit 1998 haben mehr als 19.000 SnowboarderInnen und SkifahrerInnen an den Winter Camps teilgenommen. Es finden pro Winter circa 24 – 30 Camps in ganz Österreich statt, im Zeitraum von Dezember bis April.

Da die Teilnahme für alle Basic Camps kostenlos ist, sind die Plätze daher heiß begehrt und meist sehr schnell ausgebucht. Deshalb gilt bei diesen Kursen: Wenn Du dabei sein willst, musst Du schnell sein. Noch dazu kommt, dass die Camps an den schönsten Winterskigebieten Österreichs stattfinden, wie beispielsweise Hochfügen, Galtür oder St. Anton am Arlberg. Es gibt verschiedene Kursarten, die alle von erfahrenen Bergführern, Ski- und Snowboardexperten geleitet werden, wie beispielsweise:

SAAC Basic Camps

    • Dauer: 2 Tage, immer Samstag bis Sonntag
    • 3-stündiger Theorieteil
    • kostenlose Leihausrüstung
    • Übungen im Gelände
    • kostenlose Teilnahme

 

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    • Aufbaukurs zur Vertiefung des Grundwissens aus dem Basic Camp
    • kostenlose Leihausrüstung, Teilnahme nicht kostenlos
    • Dauer: 3 – 5 Tage
    • Gruppengröße: maximal 7 Personen
    • Teilnahmegebühr je nach Gebiet zwischen 260€ und 445€

→ Hier findest Du eine Übersicht über alle Winter-Kurse des SAAC.

 

Pieps LVS Training Station

In Kooperation mit dem Hersteller Pieps gibt es mittlerweile in vielen Wintersportgebieten ganz besondere Trainingsgelegenheiten für alle Tiefschneefreunde: Computergesteuerte High Tech Anlagen, sogenannte Pieps LVS Trainings Stations. Über diese Stationen kann die Lawinenverschütteten-Suche eigenständig gezielt und praxisnah geübt werden.

Die Pieps LVS-Training Stationen sind vollautomatische Suchstationen, die für jeden zugänglichkostenlos und bedienungsfreundlich sind.  Auf dem Testareal sind Sender versteckt, die in drei unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen gesucht werden müssen, das vorgegebene Zeitlimit sollte dabei nicht überschritten werden. Am Ende kann man seine Ergebnisse direkt vor Ort analysieren lassen. Derartige Testareale mit Pieps LVS-Testanlagen gibt es beispielsweise in Sportgastein, im Allgäuer Bergführerbüro in Hindelang, am Kitzsteinhorn oder am Stubaier Gletscher, wo man auf einem Areal von 50 x 50 Meter die Verschütteten-Suche trainieren kann.

Im Grunde sind die Inhalte aller Kurse – unabhängig von Organisation oder Hersteller – ähnlich. Je nach Basic oder Advanced Kurs werden wichtige Fragen rund um Lawinensicherheit beantwortet, richtiges Verhalten eingeübt und potentielle Unfallszenarien durchgespielt.

Egal ob ein- oder drei Tageskurse – wenn der Ernstfall eintreten sollte, bist Du besser vorbereitet und kannst im Zweifelsfall Leben retten. Denke immer daran: Safety First! Das gilt für Dich und auch für Deine Freunde auf dem Berg.

 

Fun am Berg_Ortovox